Teile der ehem. Hofmarkschlossanlage

Niedertraubling

  • Zeittafel

    Anfang 14. Jh. Erbauung einer Niederungsburg

    1819 Bau des Amthauses

    19. Jh. Bau und Umbau der Ökonomiegebäude

    1839-1990 Gutshof der Fürsten von Thurn und Taxis

    1852 Abbruch des Bergfrieds

    1990 Verkauf

  • Beschreibung

    Topografie

    Das Anwesen des ehemaligen Wasserschlosses mit seinen zugehörigen Ökonomie- und Verwaltungsbauten liegt an der Südseite der Schloßstraße, einer wichtigen Altstraße zwischen Regensburg und Straubing. Die Gebäude bildeten von jeher die Ostgrenze des Dorfes, das sich bis heute in Richtung Osten kaum weiterentwickelte. Das Altdorf erstreckt sich an der Schloßstraße westlich des Schlossareals.

    Die 1816 entstandene Karte der Uraufnahme zeigt einen großen Weiher, in dessen östlicher Hälfte das Wasserschloss stand, welches über eine Brücke von Norden betreten wurde. Am Ostufer steht die Kirche, am Nordufer liegt die winkelförmige Ökonomie, ein zweiter Ökonomiehof befindet sich auf der Westseite in ganzer Breite des Weihers, das Südufer säumt eine schmale Gartenanlage.

    Von dieser Gesamtanlage blieben nach dem Abbruch nur einige Bauten erhalten, drei davon im Bereich des Schlossgebäudes, die nördliche Ökonomie und eine Stallung in der westlichen Ökonomie.

     

    Geschichte

    Als „prachtvolle Burg in einem Weiher“ (arx magnifica in lacuna posita) wurde das Wasserschloss Niedertraubling im 16. Jahrhundert bezeichnet. Die frühe Geschichte liegt im Dunkeln. Erst 1309 wird mit der Gutsübernahme durch die aus Weichs bei Regensburg stammende Ritterfamilie der Weichser der Bau einer Feste wahrscheinlich. Ob es einen älteren Adelssitz gegeben hat, ist unklar. Ein im 12./13. Jahrhundert erwähnter Meierhof hat damit nichts zu tun. Möglicherweise handelt es sich dabei um den späteren Amthof am Ammerhofweg. Zwischen 1839 und 1990 befand sich das Gut im Besitz der Fürsten von Thurn und Taxis.

    Das „Schloß Nider Traubling“ bildet Michael Wening 1716/26 als beeindruckende Wasserschlossanlage ab und betont, dass sie „bestehet in einem zwar alten doch guten Gebäu nebst darbey stehenden schönen Schloß-Thurn / umb und umb mit einem Weyer / welcher sich mit aygnen Brunn-Flüssen anfüllet / umbfangen / ist wol zubewohnen / unnd in Feinds-Zeiten nit verwüst worden.“ 

    Die geringen Reste der Burg bzw. des Schlosses, die nach dem Abbruch des Turms 1852 stehenblieben, bewahren möglicherweise noch ältere Bausubstanz. Der Weiher ist heute bis auf einen Tümpel im Nordosten verschwunden. Dieser wird von einem kleinen Wasserzulauf gespeist, wie er schon bei Wening erwähnt wird. 

    Das Wasserschloss bildete eine imposante Vierflügelanlage, deren Zugang über eine Grabenbrücke durch den mächtigen, etwa achtgeschossigen Turm an der Nordwestecke erfolgte. Die Vierflügelanlage bestand aus stark gestelzten dreigeschossigen Satteldachbauten, teilweise mit Treppengiebeln. Die Bauwerke der Anlage bildeten kein geschlossenes Geviert, sondern die drei bis vier Flügel stießen jeweils mit ihren Kanten aneinander. Nur der zweiflügelige Nordostbau macht einen einheitlicheren Eindruck. Südlich war ein kleiner Weihergarten vorgelegt. Der Nordflügel besaß einen hohen Erker unter einem Schleppdach, am Ostflügel stand ein Treppenturm zum Garten.

     

    Beschreibung

    Der Zugang. Die ursprünglich hölzerne Grabenbrücke, welche einst zum Hauptportal im Burgturm führte, ist in der Ansicht von Wening gut erkennbar und auch noch in der Uraufnahme zu sehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Holzkonstruktion durch eine heute einbogige, möglicherweise einst zweibogige Brücke aus Bruchstein ersetzt. Da der stark ausgekolkte Brückenbogen nur eine Hälfte des Grabens überspannt, stellt sich die Frage, ob es sich anfangs nicht um eine zweibogige Konstruktion handelte, deren südlicher Bogen möglicherweise verdeckt ist oder nicht mehr besteht.

    Die Ökonomiebauten. Letzte Reste des Nord- und Südflügels des Wasserschlosses bilden drei Ökonomiebauten, die nach dem Abbruch des Gebäudes wohl einige im Kern vielleicht noch mittelalterliche Bauteile bewahren.

    Das Kartoffel- und Branntweingewölbe. Der gestreckte Satteldachbau des sogenannten Kartoffel- und Branntweingewölbes überdeckt die Fläche des Südflügels, einschließlich der leicht schrägen Westseite. Insofern wäre die Frage zu klären, inwiefern die Gewölberäume noch das Erdgeschoss des alten Baus überliefern. Die Nordseite ist zweigeteilt: Zwei große Einfahrtstore dominieren die östliche Hälfte, während daneben drei ungleich hohe Eingänge in Gewölberäume bzw. zum Treppenaufgang in das Dachgeschoss führen. Über dem rechten Einfahrtstor steht eine verbretterte Ladegaube.

    Das Gärtnerhaus. Das an der Nordostecke des südlichen Flügels stehende Gärtnerhaus ist ein zweigeschossiger Ziegelbau mit einem Walmdach, dessen First in Nord-Süd-Richtung steht. Seine Position entspricht der Südostecke des früheren Ostflügels. Der Eingang liegt mittig in der Westseite. Die östliche Dachfläche überragt ein hoher Kamin. 

    Das Fassbinderhaus. Das Fassbinderhaus scheint etwas tiefer als der frühere Nordflügel zu sein. Die starke Nordwand könnte einen Rest des Vorgängerbaus darstellen. Es handelt sich um einen eingeschossigen Halbwalmdachbau mit dem First in Ost-West-Richtung. Die westliche Giebelseite zeigt asymmetrisch zwei Eingänge, einen hohen gestuften Kamin über der Südwestecke und einen verbretterten Giebel. Auf der Südseite schließen sich ein gemauerter Stallbereich und ein Stadel an, der an der Süd- und Ostseite eine Holzkonstruktion in Ständerbauweise darstellt, während die Nordseite in ganzer Länge massiv bzw. in der Osthälfte teilweise als dünne Fachwerkwand gemauert und verputzt ist. Zwei hochliegende Fenster stehen in der westlichen Hälfte und ein größeres Fenster in der östlichen Hälfte.

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Teile der ehem. Hofmarkschlossanlage, Nähe Hofmarkstraße / Nähe Schloßstraße, Niedertraubling, publiziert am 02.04.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-187217-d-3-75-179-5> (Datum des Zugriffs)
     

  • Quellen

    Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Obertraubling

    Amberg, Staatsarchiv, Baupläne 1929-44/355, 386, 478, 590

  • Literatur

    BOOS Andreas, Burgen im Süden der Oberpfalz. Die früh- und hochmitttelalterlichen Burgen des Regensburger Umlandes (Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Bd. 5), Regensburg 1998, 290-293

    SCHMID Diethard, Landesherr und Adel, Kirche und Bauern in der Geschichte Obertraublings und seiner Ortsteile, in: FENDL Josef (Hg.), Obertraubling. Beiträge zur Geschichte einer Stadtrandgemeinde, Regensburg 1982, 107-110

    WENING Michael, Historico-topographica descriptio, Bd. 4, München 1726 (Nachdruck München 1977), Tf. 30, S. 19