1139 Erstnennung mit Kapelle
1452 Zusammenlegung zweier Höfe
1589/90 Bemängelung des Bauzustands der Kapelle
1750/1800 Entstehung der regelmäßigen Vierseithofanlage (?)
Topografie
Das Gut Schafhöfen liegt an einer Route der Ochsenstraße, die ein Stück südlich in West-Ost-Richtung nach Hardt über Radldorf führte, und an der Altstraße zwischen Schönach und Geiselhöring, die einen Abschnitt der großen Handelsroute zwischen Regensburg und Straubing darstellt. In der Uraufnahme bildet die Schwaige einen rechteckigen Vierseithof mit drei Flügeln an der West-, Nord- und Südseite und der an der östlich vorüberführenden Straße stehenden Kapelle St. Jakobus zwischen zwei Gärtchen. Dieser Anlage wuchsen im Laufe des 19./20. Jahrhunderts zahlreiche Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude überwiegend auf der Ost- und Nordseite zu. Von Süden führt auf das Gut eine alte Eichenallee zu.
Geschichte
In den Quellen seit dem 12. Jahrhundert tauchen die Namen „Hardt“ und „Hoven“ in unterschiedlichen Schreibweisen auf. Die noch im 18. Jahrhundert gebräuchliche Pluralform „Höfen“ kommt von zwei Höfen, die 1452 vereinigt wurden. Der seit dem 18./19. Jahrhundert gebräuchliche Name Schafhöfen bezieht sich auf die 1927 eingestellte Schafzucht, für die bis zu 1000 Schafe gehalten wurden. 1593 sind 419 Milchschafe belegt.
Die früheste Erwähnung geschah 1139 in einer päpstlichen Urkunde des Klosters Mallersdorf, wo u. a. dessen Besitz in Hart mit einer Kapelle und anderen Zugehörungen („Harde cum capella & aliis percinenciis“) bestätigt wurde. Der Hof diente sicher früh als Schwaige, die sich besonders für Schafzucht und Schafhaltung eignete. Über die Baugeschichte ist bislang fast nichts bekannt. Allein zur Kapelle St. Jakobus, die spätestens Ende des 13. Jahrhunderts von Schönach aus versorgt und später von einer eigenen Kapellenstiftung verwaltet wurde, sind einige Nachrichten zu finden. 1589/90 heißt es über das „sacellum … ad S. Jacobum“, das bei einem Gutshof erbaut sei, es gäbe dort zwei Altäre, einen Jakobus-Altar, der Titel des anderen sei unbekannt. Die Kapelle sei feucht, die Wäsche von Fäulnis zerfressen, auch sonst befinde sich der Bau in keinem guten Zustand, es sei u. a. das Deckentabulat aus Brettern („Pardillen“) ruinös. 1665 gab es einen beschädigten Altar, sicher eine Folge des Dreißigjährigen Krieges. Die Kapelle wurde 1843 profaniert, brannte 1909 völlig aus und wurde provisorisch wiederhergestellt. Im 20. Jahrhundert diente sie als Fasslager und Abfüllung der in den 1860er Jahren hier betriebenen Branntweinbrennerei. In ihrem baulichen Bestand ist sie, wie das ganze Gut, gefährdet.
Über die Baugeschichte des Gutes lässt sich derzeit wenig Konkretes aussagen. Es ist anzunehmen, dass der Nord- und Südflügel im späten 18. Jahrhundert entstanden. Der Ostflügel, der die Jakobuskapelle einschließt, stammt wohl aus der Zeit um 1860. Völlig unklar ist die Erbauungszeit der Kapelle. Die Form des Fünfachtelschlusses deutet in aller Vorsicht auf das 15. Jahrhundert, doch geprägt ist sie durch Fenster und das Portalwappen aus dem Spätbarock oder dem Frühklassizismus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert einerseits, durch den Wiederaufbau nach dem Brand 1909 andererseits.
1859 bestand das Gut aus Schäferei, Kalkschupfen, Stadel, Ökonomiegebäuden, Kapelle, zwei Brunnen, Hofraum, Gras- und Wurzgarten. Das entspricht in etwa dem Gebäudebestand der Uraufnahme. Bis 1905 erweiterte sich der Gebäudebestand , damals werden auch die Nutzungen der einzelnen Bauten klarer umrissen: Wohnhaus mit Rinderstallung (Nordflügel?), Brennerei, Kessel-, Pump- und Maschinenhaus, Stadel mit Göpelhaus (Westflügel?), Schmiede mit Beschlagbrücke, Kirche mit angebautem Pferdestall, Wagen und Holzschupfen (Ostflügel), Malzkeller mit Getreideboden, Dienstbotenwohnung mit Schupfe (Südflügel?), Backofen, Hühnerhaus, Brunnen, Hofraum, Wurzgarten, Heustadel mit Holzschupfe und Eiskeller, Stadel mit Binderwerkstatte und Holzremise, Feldstadel. Die zahlreichen Wohnhäuser im Umkreis des Gutes lassen sich durch die große Zahl an dort Tätigen erklären; zeitweise hatte das Gut über 200 Beschäftigte.
Beschreibung
Die völlig regelmäßige Hofanlage, wie sie in der Uraufnahme überliefert ist, weist auf einen Neubau wohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter den Grafen von Seinsheim.
Der Nordflügel. Der Nordflügel besteht aus einem Wohnhaus als östlichem Kopfbau, mit der Hofeinfahrt und dem westlich anschließenden Stallstadel mit seinem Wohngeschoss. Das Wohnhaus, das wohl der Gutsverwaltung gehörte, ist als zweigeschossiger symmetrischer Bau mit abgewalmtem Satteldach im Typus eines klassizistischen Amtshauses errichtet, hofseitig mit fünf, straßenseitig mit vier Fensterachsen, der Eingang hofseitig mittig als kleines Vorzeichen. Das Obergeschoss ist durch das Fensterformat hervorgehoben. Die Ecke des Hauses und die gegenüberliegende Ecke des Ostflügels sind mit Verbindungsmauern und Pfeilern mit flacher Pyramidenverdachung besetzt und mit einem Speergitter gesichert. Im Anschluss zum ehem. Rinderstall ist das Verwalterhaus durch eine Feuermauer abgesetzt. Der Stall zeichnet sich durch eine dreischiffige Wölbung aus Böhmischen Kappen auf Säulen mit runden und breiten Kämpfern aus, die Jochtrennung mit breiten Gurt- und Scheidbögen. Im östlichen Obergeschoss mit Balkon befinden sich die ehem. Wohnungen des Personals.
Der Südflügel. Entsprechend dem Verwalterhaus steht das Dienstbotenhaus als östlicher Kopfbau des Südflügels, auch dieses im Typ eines Amthauses errichtet. Sein hohes Walmdach mit einem kurzen First steht über quadratischem Grundriss, die beiden Geschosse zeigen vier zu vier Fensterachsen. An diesen Kopfbau stoßen rückspringend ein niedrigerer Zwischenbau, dann der dem Nordflügel in der Länge und Höhe entsprechende Stall, ein Bau aus Ziegeln, auch hier mit Wohnungen der 1950er Jahre und einem Lagerboden über den Ställen.
Die Kapelle. Im Ostflügel, der nach seinen Bauformen aus der Zeit um 1860 stammt, steht die profanierte Jakobuskapelle, deren Geschichte, wie bereits erwähnt, bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückreicht. Sie steht überzwerch zum ehem. Pferdestall und den Remisen und ragt mit ihrem Westteil in den Hofraum. Der schlanke Bau überragt mit seinem Dach den südlichen Remisenflügel. Die Westfassade des überwiegend aus Backstein errichteten Saalbaus besitzt ein Hausteinportal mit einem gesprengten Giebel und dem Wappen der Reichgrafen von Seinsheim, bislang nicht datierbar. Die beiden Rechteckfenster im Obergeschoss deuten auf eine Herrschaftsempore oder ein Oratorium. Ein zweiter Eingang über der Rampe der einstigen Fassabfüllung des Branntweins steht unter einem gekehlten Rundbogenfenster. Auf der Ostseite tritt die Kapelle mit einem Dreiachtelschluss in Erscheinung, ihr Dach zeigt seit dem Wiederaufbau 1910 einen Glockendachreiter mit Welscher Haube. Das Innere im Erdgeschoss bedrückt eine eingezogene, nur etwa mannshohe Holzdecke.
Empfohlene Zitierweise:
Gutshof, publiziert am 06.03.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-138710-d-3-75-171-5> (Datum des Zugriffs)