Kath. Nebenkirche St. Ägidius

Sankt Gilla

  • Zeittafel

    1424/25 Ersterwähnung

    1633/34 Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg

    1696 Renovierung; Neubau des Kirchenschiffs (?)

    1875 Renovierung; Verlängerung nach Westen; Einrichtung einer Familiengrablege der Grafen von Lerchenfeld-Köfering

    1905 Anbringung einer römischen Inschrift am Chor

    1981 Auflösung der Familiengrablege nach Verkauf an die Stadt Regensburg

    1982 Übergang in Privatbesitz

    1996 Renovierung im Zuge des Abbruchs der alten Hofgebäude

  • Beschreibung

    Topografie

    Die Nebenkirche steht in einer Ausrichtung von Südwesten nach Nordosten im Zentrum von St. Gilla. In der Uraufnahme bildet sie noch den nordöstlichen Eckbau des in dieser Form ausgelöschten Hofguts. 

     

    Geschichte

    In St. Gilla besaß das Regensburger Kanonikalstift St. Johann seit 1274 zwei Höfe, von denen einer zu einem unbekannten Zeitpunkt verschwand. Der übrig gebliebene Gutshof ist insofern von großem Interesse, als faktisch alle Pächter zwischen 1274 und dem Verkauf an die Grafen von Lerchenfeld-Köfering 1868 bekannt sind und hier eine in dieser Form seltene historische Überlieferung besteht. Das in der Uraufnahme als unregelmäßige Mehrflügelanlage überlieferte Anwesen wurde bis 1995 durch Abbrüche völlig ausgelöscht, wobei als einziges historisches Bauwerk die Nebenkirche St. Ägidius übrig blieb. Der Ortsname St. Gilla leitet sich von Ägidius ab; im Laufe der Jahrhunderte gab es dazu zahlreiche Varianten und Schreibweisen.

    Es stellt sich die Frage, ob bei der frühesten Nennung des Gutes St. Ägid („sancti Egidii“) anlässlich der Übertragung an St. Johann bereits ein Gotteshaus stand. Erstmals genannt wird die zum Gut gehörende Kapelle („quod ad curiam sancti Egidii et eius capellam“) jedoch erst 1424/25. 1526 gab es hier einen Kooperator. Die traditionelle Bezeichnung St. Gilla im Moos für den Hof taucht im Zusammenhang mit der Kapelle erstmals 1600 auf: „im Moß capella S. Egidii“. 

    Die heutige Kapelle dürfte erst lange nach der Verwüstung des Gutes durch die Schweden 1634 t in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weitgehend neu errichtet worden sein. Noch 1665 wird ihr Vorgängerbau als „ruinosa“ bezeichnet, mit einem beschädigten Altar. Weniges nur ist bisher bekannt, so eine Renovierung der Kapelle durch den Pächter Andreas Holzer 1696, aus welcher Zeit noch die Stuhlwangen stammen. Es stellt sich die Frage, ob bei dieser Maßnahme die ganze Kapelle oder nur das Kirchenschiff neugebaut wurde, das bis heute auf seiner Ostseite ein auffallend kleines Rundbogenfenster besitzt. 

    1723/24 lag das Kirchenpatronat über die Kapelle des „Güllahofes“ beim kurbayerischen Reichstagsgesandten Johann Georg Reichsgraf von Königsfeld auf Alteglofsheim. Nachdem Maximilian Graf von Lerchenfeld-Köfering das Gut 1868 erworben hatte, ließ er die Kapelle 1875 renovieren und nach Westen verlängern und dabei eine Familiengrablege anlegen. Seitdem befindet sich das Gotteshaus im Privatbesitz. 1956 ging das Anwesen an den mit den Lerchenfelds entfernt verwandten Rudolf Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg. Als er 1981 das Gut an die Stadt Regensburg verkaufte, ließ er die Grablege aufheben und die Särge nach München überführen. 1982 kam das Gut an die jetzigen Eigentümer. 1995 fand die letzte Renovierung statt, als die angrenzenden Hofgebäude abgebrochen und der Kirchenbau damit freigestellt wurde, die seit ihrer Erbauung zur Pfarrei Langenerling gehört. 

     

    Beschreibung

    Das Äußere. Die Kapelle wirkt durch ihr schlichtes Erscheinungsbild. Das Kirchenschiff und der eingezogene, niedrigere Chor tragen Satteldächer. Der Eingang liegt leicht nach links aus der Mitte verschoben, eng rechts daneben stehen zwei Segmentbogenfenster. Der westliche Teil hingegen besitzt nur ein kleines Emporenunterfenster. Auf der Ostseite des Chores gibt es ein kleines Rundbogenfenster. Es fällt auf, dass der achteckige Dachreiter mit seiner kleinen Zwiebelhaube und der Blechverkleidung weit nach innen gerückt ist. Doch links neben der Eingangstür ist im Putz eine senkrechte Stoßfuge zu erahnen, die erkennen lässt, dass die Kapelle hier nach Westen verlängert wurde und eine (Herrschafts-) Empore erhielt. Dies wird bei der Renovierung 1875 geschehen sein. Doch heißt es noch 1910, der Dachreiter stünde über der Westfassade. Auf der Nordseite des Chors steht die kleine Sakristei unter einem abgeschleppten Dach. Die Kirche zeigt im Sockelbereich größere Feuchtigkeitsschäden.

    Das Innere. Derzeit nicht zugänglich. Der Innenraum ist flach gedeckt, besitzt eine westliche Empore, unter der ein Beichtstuhl steht. 

    Die Ausstattung. Außen an der östlichen Chorwand wurde 1905 eine wohl in der Nähe aufgefundene römische Inschrifttafel eingelassen, deren Text heute nur mehr schwer leserlich ist und der erzählt, dass Julia Captionia zu ihren Lebzeiten diesen Stein für ihren mit 50 Jahren verstorbenen Gatten und Vater ihrer vier Söhne für sich und die drei noch lebenden Söhne Julius, Silvanus und Rufus Capitonius setzte: „CONIUGI KARISSIMO / PATRI NATORUM IIII VIXIT / ANN(os) L ET FILI(i)S VIVIS / CAPIT(onio) IULIO CAP(i)T(onio) SILVANO CAPIT(onio) RUFINO / CAPITONIAE IULIAE V(ivae) / ET SIBI VIVAE FECIT“.

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Kath. Nebenkirche St. Ägidius, Sankt Gilla 1, publiziert am 13.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-129252-d-3-75-170-35> (Datum des Zugriffs)

     

  • Quellen
  • Literatur

    DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 759

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