Das Gasthaus
1250/1400 Erbauung des Vorgängerbaus
1400/1525 Errichtung eines östlichen Anbaus
Um 1664 Neubau (dendro. dat.)
1936 Innenumbauten, Einbau der östlichen Kellertreppe
2. Hälfte 20. Jh. Erneuerung der Ostwand im Obergeschoss
Die Kegelbahn
1876 Ersterwähnung
Nach 1876 Erweiterung und Umbauten
1986 Notsicherung
2025 Sanierung
Topografie
Der ehemalige Gasthof liegt an der Ostseite der Hauptstraße des Altorts gegenüber dem Friedhof. In der Karte der Uraufnahme von 1816 ist das Anwesen als eine vierseitig geschlossene Dreiflügelanlage mit einer schmalen westlichen Hofeinfahrt verzeichnet (alte Haus Nr. 42, später 62). Das Gasthaus bildete hierbei den westlichen Kopfbau des Nordflügels, der ansonsten abgebrochen ist. Der Gastgarten bzw. Biergarten entstand erst mit dem Bau der Kegelbahn um die Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde vorher von einem Stadel eingenommen. Die l-förmige Hofkegelbahn steht am südlichen und südwestlichen Rand des Gasthausanwesens.
Geschichte
Die Baugeschichte des einstigen Gasthofes führt ins Mittelalter zurück. Hier stand in der Gotik ein Haus, dessen Keller unter dem westlichen Teil des Gebäudes erhalten ist. Eine genauere Datierung ist nicht zu erbringen. Von einem östlichen Anbau in der Spätgotik gibt es ebenfalls noch den Keller. Vermutlich nach Schäden im Dreißigjährigen Krieg erfolgte um 1664 (dendro. dat.) der Neubau des heutigen Gebäudes. Aus dieser Zeit stammt wohl der dritte Teil des Kellers auf der Ostseite, in den eine Treppe von 1936 führt, die im Zusammenhang mit Innenumbauten entstand. Diese Umbauten, auch die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, waren sehr zurückhaltend, betrafen in erster Linie den Einbau und die Erneuerung von Toiletten, aber auch die vollständige Erneuerung der östlichen Giebelseite im Ober- und Dachgeschoss. Seit der Schließung des Gasthofs vor einigen Jahren steht das Haus leer. Bislang konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, seit wann das Anwesen als Gasthof diente, spätestens jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der ersten Nennung einer Kegelbahn.
Bis in das 18. Jahrhundert wurde das Kegelspiel ausnahmslos im Freien betrieben. Aus einem zunächst dem Adel vorbehaltenen Vergnügen entwickelte sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Art Breitensport. Als Vergnügungsorten kam den Kegelbahnen in der Stadt und auf dem Land große gesellschaftliche Bedeutung zu. Typologisch ist bei historischen Anlagen zwischen Anbau-, Keller-, Garten-, Innen- und Hofkegelbahn zu unterscheiden. Im Gegensatz zu den heutigen Anlagen waren alte Bahnen nicht genormt. Daher besitzen sie sehr unterschiedliche Größen, wenngleich die Bauelemente immer die gleichen sind: Kegelbahn mit Lauffläche, Kugelfang, Rücklauf und Keglervorstube. Im Freien bestanden sie oftmals aus überdachten Holzständerkonstruktionen.
Ein Erbauungsdatum der Mintrachinger Hofkegelbahn ist nicht überliefert, doch wird sie erstmals 1876 in einem Katastereintrag erwähnt. Vor dem Hintergrund der Geschichte des Kegelsports ist von einer Errichtung im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts auszugehen, möglicherweise durch die Betreiberin des Gasthauses und Wirtin Betty Vilsmeier. Eine baugeschichtliche Untersuchung erbrachte, dass zunächst der lange Südflügel, die eigentliche Kegelbahn, entstand, an die der Querflügel mit der Keglervorstube angebaut wurde. 1986 erfolgte eine Notsicherung und Reparatur der vom Einsturz bedrohten Kegelbahn mit Betonierung der südlichen Fundamente und einer Erneuerung von Bestandteilen wie den Kegelplatten, dem Rücklauf und dem Kugelfang. Eine grundlegende Instandsetzung mit Neueindeckung geschah dann 2025.
Beschreibung
Das Gasthaus. Umbauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten dazu, dass das ehemalige Gasthaus als relativ unspektakulärer zweigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau erscheint, der seine alte Geschichte unter einem modernen Kleid verbirgt. Dazu gehört auch die Tatsache, dass das Gebäude seine Baustruktur aus der Zeit des Neubaus um 1664 vollständig bewahren konnte. Hierzu gehört unter anderem ein großer Ecksaal in der Südostseite des Obergeschosses, der nicht ursächlich mit einer Gasthausnutzung zusammenhängen muss.
Die dreiachsige Giebelseite zeigt einen Fensterrhythmus 1:2, was für Bauernhäuser mit Eckstube charakteristisch ist. Im Giebel stehen zwei Fenster im unteren Dachgeschoss. Auf der Hofseite zeigt sich eine Unregelmäßigkeit der Fenstergliederungen. Im Erdgeschoss folgen auf vier Fenster der Hauseingang und ein weiteres Fenster. Im Obergeschoss reihen sich in weiteren Abständen vier Fenster, die etwa den darunterliegenden entsprechen. Dies gilt auch mit Unterschieden im Erdgeschoss für die nördliche Traufseite.
Die Kegelbahn. Die zweiflügelige Bahn besteht auf der Westseite aus der kurzen Keglervorstube, einem dreiseitig verbretterten und zum Hof offenen Holzstützenbau mit Pfettendach. Sie diente als Eingang zur Bahn. Die Kegelbahn selbst bildet als Ständerkonstruktion den südlichen Hauptbau, der bis zum Anbau der Vorstube ein Joch länger war. Auch hier zeigt die Konstruktion einen Ständerbau mit Satteldach. Noch um 1950 war sie auch hofseitig verbrettert. Die Bahn beginnt an einer im Estrich liegenden Holzbohle, möglicherweise die Abwurflinie. Die Bahn endet in einer Kugelgrube. Der Rücklauf besteht aus zwei Brettern.
Empfohlene Zitierweise:
Ehem. Gasthof, Hauptstr. 13, Mintraching, publiziert am 08.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-52984-d-3-75-170-32> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Mintraching
WEIGMANN Benedikt, Historische Kegelbahnen in Bayern, Masterarbeit OTH Regensburg 2016, Bd. 2, 35-38