Ehem. Gutshof, Stadlerhof

Untermassing

  • Zeittafel

    1684 Erbauung; Erstnennung als Stadlerhof

    Um 1800 Brand (?)

    19. Jh. Neubau der Nebengebäude 

    Nach 1958 Abbruch der östlichen Nebengebäude

  • Beschreibung

    Hinweis: Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine noch nicht lektorierte erste Arbeitsfassung. Für inhaltliche Ergänzungen und Richtigstellungen sind wir sehr dankbar (→ MITMACHEN).

     

    Topografie

    Untermassing liegt in der Niederung eines südlich bei Obermassing entspringenden Baches, der in der Karte der Uraufnahme von 1817 als Gartenbach bezeichnet ist und ein Stück nördlich in den Wolkeringer Mühlbach mündet. Die Zufahrt geschieht heute von Norden von der Straße zwischen Peising und Poign, von Osten über Weillohe. Die Uraufnahme zeigt einen offenen, gerade umrissenen Vierseithof mit einer Randbebauung in der Nordwest- und Südostecke und der Hofzufahrt in der Südwestecke. Das Wohnhaus steht hierbei auf der Westseite, ausgerichtet in Nord-Süd-Richtung. Daran schlossen sich nach Norden zwei winkelförmige Nebengebäude an, an der Südseite des Hauses standen zwei Nebengebäude im Winkel. Die Südwestecke nahm nord-süd-gerichtet ein Stadel mit einem kurzen Südflügel ein. 

     

    Geschichte

    Untermassing gehört zu jenen uralten Höfen im Landkreis Regensburg, deren Geschichte sich bis in die Karolingerzeit zurückverfolgen lässt. Eine römische Villa rustica gab es in unmittelbarer Nähe. Daher ist die letztlich ungeklärte Herleitung des Ortsnamens von einem Personennamen wie Marsus oder Marsius denkbar, obwohl eine Siedlungskontinuität nicht direkt nachgewiesen werden kann. 884 schenkte Kaiser Karl III., genannt der Dicke, seiner Hofkapelle, der Alten Kapelle in Regensburg, eine Kirche mit Haus und Hof in Marlingon in der Grafschaft des Engildeus („ecclesiam unam cum casa et curte in Marlingon vocato loce in comitatu Engildei“). Der heutige Name erscheint im 10. Jahrhundert als Marsinga, um 1200 als Marsingin, 1367 erstmals als Nider Märsing. Von 1312 bis zum Ende des Alten Reiches 1803 gehörte der Hof dem Kloster Prüll. Die Nennungen von Leuten aus Massing wie Marchuuart de Marsing vor 1089, des Martcort de Marsingin um 1200 oder des Dietrich von Mässing legen die Vermutung nahe, es könne sich um einen (adligen) Ansitz gehandelt haben, dessen letzter Rest der gotische Wohnbau auf der Südwestseite des Hofes darstellt. Die Vermutung, der Grabstein der Margarete Pullacherin in der Wand des Gutshauses würde sich auf einen Sitz der Pullacher in Untermassing beziehen, rührt aus einer lokalen Tradition her und ist nicht belegbar. Adlige Besitzer sind namentlich erst mit den Losensteinern bekannt, denen das Gut seit etwa 1460 bis nach 1552 gehörte. Sie saßen auch auf der Hofmark Gebelkofen, die sie ihrerseits von der Familie der Auer von Brennberg erworben oder erheiratet haben sollen. Untermassing kam wiederum durch Heirat an die Lerchenfelds auf Gebelkofen und Köfering. Wohl schon 1684 gehörte der Hof der Familie Stadler, die ihn bis heute bewirtschaftet. 

    Von der historischen Hofstruktur sind nur das Wohnhaus und der sogenannte Turmstumpf daneben erhalten. Die Nebengebäude hingegen wurden seit einem Brand im Jahr 1800 bis ins ausgehende 20. Jahrhundert mehrmals völlig erneuert. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Untermassing ein beliebtes Ausflugsziel mit einem entsprechenden Wirtshaus im Winkel zwischen dem Wohnhaus und dem Turmstumpf. 

     

    Beschreibung

    Das Wohnhaus. Das Wohnhaus des Gutshofes wird in das 16./17. Jahrhundert datiert. Es steht auf einer Terrasse über dem rund zwei Meter tieferliegenden Hof, zu dem eine Stützmauer mit einer breiten achtstufigen Treppe besteht. Das Haus bildet einen gestreckten zweigeschossigen und traufständigen Satteldachbau mit einem historisch nachweisbaren, jedoch erneuerten Traufschrot. Die beiden Geschosse korrespondieren in der Fenster- und Türenanordnung nicht miteinander. Der alte Hauseingang zeigt sich leicht ausmittig nach rechts in Form eines teilweise erhalten zugesetzten Werksteinrundbogens. Heute bestehen drei flach stichbogige Hauseingänge über niedrigen Vortreppen. Nach dem zweiten Fenster von Süden ist die Pullacher Grabplatte eingemauert. An der Nordseite ist ein kleiner Streifen der Nordmauer des einstigen Nebengebäudes erhalten. Das Obergeschoss ist unregelmäßig siebenachsig gegliedert. 

    In der Ostwand des Gutshauses ist der spätgotische Grabstein der Margarethe Pullacher († 1. Januar 1482) eingemauert, der nach einer örtlichen Überlieferung von hier stammen soll und nach 1910 aus der Friedhofsmauer der Kirche in Weillohe hierherkam. Wenn dies stimmt – könnte der Grabstein etwas mit der Kirche des 9. Jahrhunderts zu tun haben, die so vollkommen aus der Geschichte verschwunden ist? Die Platte aus Sandstein zeigt ein vertieftes Kielbogenfeld mit einem Ehewappen aus zwei Schilden, eine Helmzier und ein Oberwappen. Das linke Wappen und das Oberwappen zeigen ein Kamel als Wappentier der aus Böhmen stammenden Familie Pullacher (Pulacher, Puelacher). Die eine umlaufende Minuskelinschrift, die auf der Oberseite zweizeilig ausgeführt wurde, lautet: „Anno . dni . m . cccc . lxxxii . Jahre . am . neuen . Jar . starb . die . Erberg . Fraw . Margareth . des Edelt(e)n . vund . festen . steffan . pulachers . havs fraw . d. got . genedig . sei.“ 1506 ist ein Georg Puelacher als Landrichter von Wörth nachweisbar, vielleicht ihr Sohn? Doch die Verbindung nach Untermassing bleibt noch ungeklärt.

    Der Turmstupf. Das älteste Bauwerk des Anwesens stellt der sog. Turmstumpf dar, ein gestelzter, zweigeschossiger und zum Wohnhaus firstparalleler Walmdachbau an der westlichen Hofeinfahrt. Es ist denkbar, dass es sich um ein ursprünglich höheres Haus oder ein Turmhaus handelte. Das Erdgeschoss ist als Hochparterre über die östlich vorgelagerte Terrasse zugänglich. Zwischen den Geschossen besteht optisch ein hoher Abstand. Das wohl im 14./15. Jahrhundert entstandene Gebäude wurde im 18. Jahrhundert umgebaut, zu erkennen hauptsächlich an der gleichmäßigen Anordnung der Fensterachsen, hofseitig 1:2, feldseitig dreiachsig nach links verschoben. Auf der Südseite besteht nur unten ein Fenster. 

    Die auf der West- und Nordseite erhaltene, halbhohe Hofmauer schließt an den Turmstumpf an und verläuft auf der in der Uraufnahme genauso dargestellten Grundstückstückgrenze bogenförmig nach Norden, wo sie kurz vor der heutigen Hofeinfahrt nach Süden umknickt. Auf der Nordseite besteht ein Gartentor. Da sie auf den Nordflügel des 19. Jahrhunderts Rücksicht nahm, ist ihre Entstehung im 19. Jahrhundert anzunehmen.

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Ehem. Gutshof, Stadlerhof, publiziert am 13.05.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47784-d-3-75-205-13> (Datum des Zugriffs)
     

  • Quellen

    Bayerische Staatsbibliothek München, Wernigeroder (Schaffhausensches) Wappenbuch, Süddeutschland 4. Viertel 15. Jh., Bayerische Staatsbibliothek München, Cod. icon. 308 n, 220v, (urn:nbn:de:bvb:12-bsb00043104-6

    Biographie Franz Stadler, in: Munzinger Online, URL: <https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/Franz%20Stadler/00/15686> (aufgerufen am 25.09.2024)

    Cranach Digital Archive, Epitaph des Münzmeisters Ruprecht Pulacher, URL: <https://lucascranach.org/de/CZ_RKFO_NONE-RKFO001/> (aufgerufen am 25.09.2024)

    WURZBACH von, Constantin, Puellacher, auch Pullacher, Familie, in: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 24 (1872), in: Wikisource, URL: <https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Puellacher,_auch_Pullacher,_Familie> (aufgerufen am 25.09.2024)

  • Literatur

    HERMES Karl, Thalmassing. Geographische Anmerkungen zur Chronik einer bayerischen Landgemeinde, in: FENDL Josef (Hg.), Thalmassing. Eine Gemeinde des Landgerichts Haidau, Thalmassing 1981, 94-96

    PRINZ Michael, Beiträge zu einem Historischen Siedlungsnamenbuch des Alt-Landkreises Regensburg. Magisterarbeit Univ. Regensburg, Ms., Regensburg 1997, 140-141

    SCHMID Diethard, Regensburg II. Das Landgericht Haidau-Pfatter und die pfalz-neuburgische Herrschaft Heilsberg – Wiesent (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern Reihe I, Heft 66), München 2014, 13, 57, 269, 438