1706 Erbauung und Weihe
1709 Aufstellung des Altars von 1672
Um 1715 Errichtung einer Kanzel
Um 1800 Renovierung
1803 Vorübergehendes Ende des Eremitoriums
Um 1850 Abguss der Pietà in der Ostnische
1864 Renovierung oder Umbaumaßnahmen; Rückkehr der Eremiten
1919 Ende der Einsiedelei; Verkauf an privat
1970-1975 Innen- und Außenrenovierung
1987-1989 Umfangreiche Sanierungsarbeiten
2012 Abbruch des Mesnerhauses (ehem. Eremitorium)
2018-2019 Außensanierung
Topografie
St. Bäumel steht an der Straße zwischen Weillohe und Thalmassing. Die ursprüngliche Funktion als Einsiedelei und kleine Wallfahrt ist aus der Alleinlage noch ablesbar. Während die Stätte in der Karte der Uraufnahme von 1816 nur aus der Kirche an der Straße und dem südlich angebauten Eremitenwohnhaus bestand, erwuchs nach dem Verkauf 1919 daraus ein Bauernhof.
Geschichte
Die Erbauung der Kirche durch die Kartause Prüll geht auf die Besitzkontinuität nach dem Übergang des Klosters von den Benediktinern auf die Kartäuser 1484 zurück. Das Jahr der Weihe durch Weihbischof Albert Ernst Graf von Wartenberg 1706 dürfte weitgehend mit dem Erbauungszeitraum zusammenfallen. Ob der Name St. Bäumel – in der Weiheurkunde lateinisch „ecclesia ad sacra arbusculas“ – tatsächlich die Erinnerung an ein vorchristlich-germanisches Baumheiligtum (wie dies für Weillohe wahrscheinlich ist und auch in der Tradition der Wolfgangseiche bei Schloss Haus zum Tragen kommt) über mehr als ein Jahrtausend bewahren konnte, bleibt dahingestellt, zumal aus der Zeit vor 1706 nichts dergleichen bekannt ist. Am wahrscheinlichsten ist wohl ein sogenannter Bildbaum, der eine kleine Wallfahrt anzog, wie dies für die Entstehung etlicher Wallfahrtskirchen bekannt ist. Nachdem an der Kirche ein Eremitorium errichtet worden war, wurde sie ab 1708 von zwei Eremiten gemeinsam betreut; auch dies macht nur im Zusammenhang mit einer Wallfahrt Sinn.
Auch die Wahl des Patroziniums Maria vom Frieden („ad nomen et memoriam Sanctä Mariä de Pace“) bleibt unklar. Gab es eine Beziehung zur Titelkirche Santa Maria della Pace in Rom oder spielten (wie auch aus der Genese eben dieser römischen Kirche bekannt) die Furcht vor Krieg und Pest mit? Bayern stöhnte im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) unter der habsburgischen Knute, nachdem 1704 die französisch-bayerischen Truppen eine vernichtende Niederlage erlitten hatten, der Kurfürst geflohen und es 1705 zur Sendlinger Mordweihnacht gekommen war. Eine örtliche Überlieferung, eine Marienkirche sei während dieses Krieges von einem französischen Oberst für den Fall seiner Bewahrung gelobt worden, könnte daher einen wahren Kern haben, lässt sich aber nicht überprüfen.
1709 kam ein Marienaltar zur Aufstellung, der 1672 zusammen mit einem zweiten von einem Frater Johannes Petrus für den Bruderchor der Klosterkirche Prüll geschaffen worden war und von dort hierher transloziert wurde. Der zweite Altar, der nach Hagelstadt kam, existiert nicht mehr. Um 1800 fand wohl eine Renovierung mit einer Neuverputzung statt. Drei Jahre später wurden die Eremiten abgezogen, die erst 1864 zurückkehrten und bis 1919 hier verblieben. Die These, die Kirche wäre nur halb so lang gewesen wie heute und zwischen 1860 und 1864 verlängert worden, ist nicht richtig, denn in der Uraufnahme hat sie exakt die gleiche Ausdehnung wie heute. Möglicherweise wurden zwei unter der Empore bestehende Eingänge durch den heutigen Zugang in der Fassade ersetzt oder es fand ein Umbau mit dem Einbau der Empore statt; es soll dabei auch der Dachstuhl komplett erneuert worden sein. Eine Innen- und Außenrenovierung mit einer Neuverputzung der Fassade erfolgte 1970 bis 1975. Bei einer größeren Baumaßnahme von 1987 bis 1989 entstand durch Unachtsamkeit bei der Unterfangung und Trockenlegung der Fundamente ein Bauschaden, der beinahe zum Einsturz geführt hätte. Der Fußboden wurde ausgehoben und betoniert. Die letzte Außensanierung fand von 2018 bis 2019 statt.
Zum Verständnis der Gesamtanlage ist das nach 2012 abgebrochene Eremitorium kurz zu erwähnen. Entstanden war es 1708 als eingeschossiger Bau mit Kniestock und einem Steildach an der Südseite der Kirche. Im Dach gab es einen direkten Zugang zur Kanzel, sodass die strenge Prüller Klausur auch hier eingehalten werden konnte. Es bot zwei Eremiten Platz. Nach ihrem Abzug 1803 wurde es zunächst in ein Söldnerhaus umgewandelt und nach der Rückkehr der Eremiten 1864 aufgestockt. Das Haus bestand nach dem Ende und dem Verkauf der Einsiedelei um 1919/20 als Mesnerhaus weiter. Nach dem Abbruch ist im Putz der Kirche die Baugeschichte des Hauses ablesbar.
Beschreibung
Das Äußere. Die Saalkirche steht als gestreckter und schlanker Satteldachbau unmittelbar an und leicht unterhalb der Straße. An das vierachsige Langhaus schließt nach Osten eine eingezogene, halbrunde Apsis an, die ein halbes Kegeldach trägt. Mittig auf dem First steht ein sechseckiger, offener Glockendachreiter mit Zwiebelhaube. Das Langhaus besitzt vier korbbogige Fenster, das letzte ist als Emporenfenster halbiert. Die Westseite zeigt zwei Rundfenster neben dem mittleren Eingang und einen dritten Okulus im Giebel. Die Apsis hat seitlich zwei hochliegende Querovalfenster und im Scheitel eine halbrunde Wandnische mit toskanischer Pilasterrahmung und einem Passionskreuz mit Lanze und Ysop-Schwamm. In der Nische steht ein möglicherweise um 1850 entstandener Abguss einer Pietà. Auf der Nordseite fehlt das mittlere Fenster, an dessen Stelle einst der Hocheingang vom Eremitorium zur Kanzel stand.
Das Innere. Der schlichte, nur durch die Fenster gegliederte Saalraum trägt eine Flachdecke mit einer vierpassähnlichen gemalten Stuckrahmung. Neben dem stichbogigen Chorbogen stehen zwei halbrunde Figurennischen. Die Westempore ruht auf zwei schlichten Holzsäulen. An das Langhaus schließt der eingezogene halbrunde Chor an, der durch die beiden schrägen Ovalfenster beleuchtet wird. Auch dort bildet eine Flachdecke über einer betonten Hohlkehle mit Rahmen den Raumabschluss nach oben.
An der Nordwand befindet sich ein barockes Wandgemälde mit dem Tod Mariens im Typ der „dormitio“, also des Entschlafens im Bett. Die betenden Apostel haben sich um das Sterbebett geschart, von denen Petrus neben Maria steht. Das Gemälde stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert.
Die Ausstattung. Der Altar steht mit zwei Figurenbrücken unmittelbar unter dem Chorbogen und grenzt so die Apsisrundung ab. Die Kirche besitzt genuin keine Sakristei, als solche dient heute der Raum hinter dem Altar. Das streng orthogonal angelegte Zweisäulenretabel rahmt ein formatfüllendes, überaus qualitätvolles Gemälde mit der Darstellung der Maria Immaculata, umgeben von Engeln mit den Symbolen der Lauretanischen Litanei. Das Retabel prägen die beiden marmorierten korinthischen Säulen mit Engelsköpfchen und verkröpften Gebälk, die auf kräftigen Blattkonsolen und einer hohen Predella stehen. Der Auszug mit den gebogenen Giebelecken zeigt mittig eine Rokokokartusche mit einer Marienanrufung: „Maria / Königin des Friedens / bitte für uns!“. Die beiden Figurengruppen auf den seitlichen Brücken zeigen links Elisabeth mit dem Johanneskind, rechts Anna mit der jungen Maria.
An der mittleren Südwand des Langhauses hängt die einst vom Eremitorium zugängliche Kanzel, deren fünfseitiger Korb von durchbrochenen Volutenspangen gegliedert wird, während in Muschelnischen dazwischen die bewegten Figuren der vier Evangelisten stehen. Das spröde Laubwerk mit den gerieften Bandelwerkleisten legt eine Entstehung um 1715 nahe, also etwas nach der Erbauungszeit der Kirche. Den reich gegliederten Schalldeckel tragen zwei Atlanten in Gestalt von Engeln mit ausgebreiteten Flügeln – kein häufig vorkommendes Motiv. Sich aufbäumende Blattvoluten und vergoldetes Laubwerk bilden den Abschluss des Schalldeckels.
Aus der Zeit um 1939 stammt in der linken Chorwandnische die Figur des Bruder Konrad von Parzham. Rechts steht Antonius von Padua. Zum weiteren Figurenschmuck gehörten der Pestpatron Sebastian und der Bauernheilige Wendelin. Einige Votivtafeln aus dem 18./19. Jahrhundert legen Zeugnis der einstigen Wallfahrt ab, von der sonst keine Nachrichten bekannt sind.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Wallfahrtskirche St. Bäumel, Sankt Bäumel 1, Thalmassing, publiziert am 08.05.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47783-d-3-75-205-12> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur Thalmassing
Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg
DHEIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008,755-756
DIE KUNSTDENKMÄLER VON OBERPFALZ UND REGENSBURG, Bd. 21: Bezirksamt Regensburg, bearb. von Felix Mader, München 1910, 142
HEIM Manfred (Hg.), Die Beschreibung des Bistums Regensburg von 1723/24 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 9), Regensburg 1996, 234
MORSBACH Peter und Meierhofer Josef, Kirche in Hl. Bäuml, in: FENDL Josef (Hg.), Thalmassing. Eine Gemeinde des Landgerichts Haidau, Thalmassing 1981, 151-154