1589/90 Erstnennung einer Filialkirche
1600 Nennung als Pfarrkirche
1665 Erwähnung als Kapelle; beschädigter Altar
17./18. Jh. Neubau
1723/24 Erwähnung eines Altars des heiligen Petrus
Nach 1913 Innenrestaurierung mit Neuausmalung
2009-2010 Innenrestaurierung
Topografie
Das Altdorf teilt sich in der Karte der Uraufnahme von 1816 in eine nördliche und eine südliche Hälfte. Die Nebenkirche St. Petrus steht am nordwestlichen Rand des Altdorfes Obersanding unmittelbar an der alten Straße zwischen Thalmassing und Schierling / Eggmühl (heute Schierlinger Straße), die einen Teil der Fernstraße zwischen Regensburg und Landshut darstellte. Somit bildet sie einen Dorfeingang in hochwassersicherer Lage rund neun Meter über dem Sandmühlbach. Sie ist auf einem schmalen Grundstück von Westen nach Osten ausgerichtet.
Geschichte
Erstmals 1323 werden mit der ersten Nennung von Obersanding die beiden Orte unterschieden, woraus geschlossen wurde, dass Untersanding der Altort und Obersanding eine spätere Gründung sei. Nun ist aber das Kirchenpatrozinium St. Petrus in Obersanding deutlich älter als das des Pankratius in Untersanding. Es hat vermutlich mit frühen Besitzverhältnissen zu tun, denn 889/91 erfolgte eine Grundstückübergabe an die „Heiligen Petrus und Emmeram“, womit möglicherweise noch das Kloster St. Emmeram gemeint ist. Das Regensburger Domkapitel und das Kloster St. Emmeram waren hier im 12. Jahrhundert begütert. Hinzu kamen in Obersanding und andere Besitzungen der jeweiligen Hofmarksherren von Alteglofsheim, des Regensburger Almosenamts, der Alten Kapelle des Klosters Hl. Kreuz in Regensburg und des Klosters Prüll.
Es stellt sich die Frage, ob das Peters-Patrozinium, die Nennung als Kapelle und ihre bescheidenen Dimensionen nicht mit einer Funktion als Kapelle der abgegangenen Burg zu tun hat, die nach allgemeiner Meinung in Untersanding stand (zur Geschichte der Burg siehe dort). Dann lägen ihre Wurzeln wohl im 13. Jahrhundert. Auch wenn sie Filialkirche war, besaß sie stets nur einen Altar.
Die Kirche in Obersanding wird 1589/90 als Filiale von Thalmassing erwähnt, 1600 (vermutlich irrtümlich) als Pfarrkirche bezeichnet, die dem Prior der Kartause Prüll unterstehe. 1665 ist St. Peter wieder eine Kapelle mit einem beschädigten Petrus-Altar. Dies deutet auf eine Beschädigung im Dreißigjährigen Krieg. Kurz darauf soll der Kirchenneubau erfolgt sein, woran es jedoch einige Zweifel gibt, denn vieles deutet auf einen Neubau um 1720 hin, in den eine ältere Ausstattung übernommen wurde. In Michael Wenings Landbeschreibung heißt es 1726: „ein kleines Kirchel zu Ober-Santing undrm heiligen Petro“, 1916 erscheint sie erstmals als Nebenkirche und es wird bemerkt, dass hier nur selten die Messe gefeiert werde.
1913 (oder 1923) erfolgte eine durchgreifende Renovierung, bei der nicht nur der Hochaltar neu gefasst wurde, sondern auch Wände und Decke von Kirchenschiff und Empore eine Neubemalung mit Dekorations- und figürlichen Malereien erhielten. Die letzte Innensanierung erfolgte von 2009 bis 2010.
Beschreibung
Das Äußere. Die Kirche ist mit ihren Dimensionen von rund 20 Metern Länge und rund 10 Metern Breite ein bescheidenes Bauwerk und rund vier Meter kleiner als die Nachbarkirche in Untersanding. Die schlichte Saalkirche besitzt ein durchgehendes Satteldach mit einheitlichem First. An das dreiachsige Langhaus mit seinen Rundbogenfenstern schließt sich der eingezogene und halbrund schließende Chor an, der nur seitlich beleuchtet ist. Auf dem Chorfirst sitzt ein achteckiger Kuppeldachreiter auf quadratischem Unterbau, mit schmalen Schallöffnungen und einer schlichten Putzrahmung mit Ecklisenen. Ähnlich wie die seit 1720 entstanden Kirchen der Region Alteglofsheim/Schierling besitzt der Chor eine höhere Dachtraufe als das Langhaus. Zu diesem Typus passt auch das Schema der Dreiachsigkeit, sodass die Frage gestellt werden muss, ob der Kirchenneubau wirklich im 17. Jahrhundert oder nicht erst im frühen 18. Jahrhundert, möglicherweise um 1720, stattfand.
Das Innere. Die Vermutung eines Kirchenneubaus um 1720 legt auch der Innenraum nahe. Das einschiffige Langhaus wird nur durch die Fenster mit schmalen Stuckaufsätzen gegliedert. Die Flachdecke mit ihrer seichten Hohlkehle und dem gekehlten Kranzgesims stößt auf die Chorwand mit dem Chorbogen, der eine im 17. Jahrhundert ungebräuchliche, breite Korbbogenöffnung darstellt. An der Chorwand sind zwei halbrunde Figurennischen eingetieft, wie sie in der Gegend in vergleichbarer Form 1706 in St. Bäumel auftreten. Der eingezogene Chor trägt eine Tonnenwölbung mit Apsiskalotte und Stichkappen über den beiden seitlichen Fenstern. In der um 1913 geschaffenen Deckenmalerei des Langhauses, die stilistisch eine Mischung aus Spätbarock und Klassizismus darstellt, ist die Felderteilung in sogenanntem ‚falschen Stuck‘ (ital. Stucco finto) gemalt. Es wird durch verkürzte Rahmenfelder eine schräge Perspektive angestrebt, wobei im äußeren Rahmen Cirage-Felder (Gelb-in-gelb-Malerei) stehen, im Mittelfeld sind Blütengirlanden und in der Hohlkehle Embleme in Grisaille-Malerei (Grau-in-grau-Malerei). Am Chorbogen schweben zwei Engel mit den Arma Christi in Anbetung des über dem Scheitel liegenden apokalyptischen Lamms auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Über dem Altar zeigt das schmal-längliche Deckenbild die Dreifaltigkeit. Klassizistisch anmutende Girlanden hängen unter den blau gerahmten Feldern der Apsiskalotte. Im Kirchenschiff zeigt das Deckengemälde die Kleine Heilige Familie mit Maria, Josef und dem Jesuskind vor einer Landschafts- und Architektur-Staffage. Die Empore (ohne Orgel) trägt eine kräftige, doppelt geohrte Rahmengliederung; dahinter führt eine steile Treppe in das Dachgeschoss.
Die Ausstattung. St. Peter besaß durch alle Jahrhunderte nur einen Altar. Das Viersäulenretabel mit seinem üppigen vergoldeten Laubwerkbesatz wird in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert. Hinter zwei vorgestellten, inneren Säulen stehen zwei äußere, schräg zurückgesetzte korinthische Säulen. Ein hohes Gebälk mit einem von zwei Schweifspangen flankierten und bis unmittelbar an das Gewölbe reichenden, stichbogigen und zweisäuligen Auszug mit ovalem mittlerem Bildfeld schließt den Altar nach oben ab. Das Altarbild aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Rettung des untergehenden Petrus beim Sturm auf dem See Genezareth, bei der die beherrschende Figur Jesu in ein fahl-gespenstisch leuchtendes, weißes Kleid gehüllt ist.
In den beiden stucco-finto-Nischen am Chorbogen stehen die bewegten neubarocken Figuren der Maria Immaculata und des Josef mit dem Jesuskind. Die Kanzel, die ebenfalls noch zur Ausstattung des 17. Jahrhunderts gehört, ist schlicht gehalten mit geohrtem Rahmen und einem Triglyphengebälk. Auf der Rückwand stehen die Gesetzestafeln.
Unter der Empore hängt ein figuren- und volkreiches Tafelbild mit dem Jüngsten Gericht, das in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert ist und den Eindruck eines malerischen Entwurfes für ein Deckengemälde erweckt.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Nebenkirche St. Petrus, Petersweg 5, Thalmassing, publiziert am 08.05.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47781-d-3-75-205-10> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Thalmassing
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