Schloss Haus und Kapelle

Neueglofsheim

  • Zeittafel

    Schloss Haus

    1680 Neubau unweit der verfallenen Burganlage durch das Kartäuserkloster Prüll

    1920-2008 Im Eigentum des Hauses Thurn und Taxis

    1928 Aufstockung des Westflügels; Modernisierung; Errichtung der zweigeschossigen Torwand

    Nach 1971 Leerstand 

    2008 Verkauf an privat

    2008/09 Sanierung

     

    Schlosskapelle St. Wolfgang

    1314 Ersterwähnung

    1630 Neubau

    1665 Beschädigung des Altars

    1680/81 Aufstellung eines neuen Altars

    1749 Neuerbauung der Schlosskirche (?)

    Um 1900 Einbringung von Glasgemälden; Neuausstattung

    1928 Umbau 

    1961 Ausbau des Altars aus dem 19. Jh.; Errichtung eines Obermachtaler Altars

    Nach 1971 Profanierung der Schlosskapelle

    2008 Sicherung der Raumschale und Fassungen im Zuge der Schlosssanierung

     

  • Beschreibung

    Topografie

    Das Schloss steht als Dreiflügelanlage über dem Südabhang des Eichelbergs, wobei nach Süden und Westen das Gelände bis ca. 30 Meter abfällt. Die Anlage ist leicht von Südwesten nach Nordosten ausgerichtet. Der Zugang liegt auf der Südseite. 

     

    Geschichte

    Die wesentlichen Nachrichten zur Baugeschichte stammen aus Michael Wenings Landesbeschreibung von 1726. Sie sind so präzise, dass sie aus archivalischen Quellen der Kartause Prüll stammen müssen. Wening ließ sich bekanntlich für seine Erhebungen ausgefüllte Fragebögen zuschicken, auf deren Grundlage der Jesuitenpater Ferdinand Schönwetter die Texte verfasste. Dennoch ist die frühe Baugeschichte des Schlosses nicht abschließend geklärt. Der Name „Haus“ war spätestens 1526 gebräuchlich („in castro Neweneglofshaim alias zum Haus“) und dürfte sich auf ein entsprechendes Gebäude beziehen. Es ist davon auszugehen, dass im späten 15. Jahrhundert die Burg durch ein bequemeres Schloss – eben das namensgebende Haus – in unmittelbarer Nähe ersetzte und der Bergfried als Herrschaftszeichen übernommen wurde, wie dies auch im benachbarten Alteglofsheim geschah. Später ist von den Resten des Waltenhofer’schen und des Wallbrunn’schen Schlosses die Rede. Nach dem Kauf durch die Kartause Prüll 1630 gab es wegen kriegsbedingten Geldmangels zunächst keine Baumaßnahmen außer dem Neubau der Schlosskapelle unter Prior Philippus Floüor: „in Ermangelung mehreren Vermögens den Göttlichen Seegen zugewinnen / den Anfang vom Hauß GOttes machen wollen / vnnd obgedachte St. Wolfgangs-Capellen von neuem zimblich fein vnnd sauber aufgebauet.“ Kurz darauf, um 1633/34, kam es zu Kriegsschäden.

    1680 ließ Prüll die Reste „deß alten Wallbrunnischen Schloßes / und noch älteren Waltenhofersichen Schloßes auß höchster Noth vollends abtragen / und einen gantzen neuen Bau anlegen“. Dieser Neubau musste wegen des unsicheren Untergrundes so tief fundamentiert werden wie das Gebäude nach oben aufragt. Es wurde notdürftig mit wenigen „unentböhrlichen“ Zimmern eingerichtet. Die Bauleitung lag nach Wening bei dem Straubinger Stadtmaurermeister Caspar Pielmayr. „Bald darauff hat in der Capellen zum Hauß zur Ehr des heiligen Bischoffß / und Beichtigers Wolfgangi / und zur Dancksagung für obigen so glücklich vollbrachten Bau die Herrschaft einen feinen neuen Altar auffrichten lassen.“

    Im Zuge der Säkularisation 1803 kam das Schloss in Staatsbesitz und ging 1835 an das Haus Thurn und Taxis in Regensburg. Da von 1920 bis 1971 ein Mitglied des fürstlichen Hauses hier lebte und das Anwesen bewirtschaftete, fanden Instandsetzungsmaßnahmen statt, die 1928 hauptsächlich die Errichtung der Torwand, die Aufstockung des Schlossflügels, die Errichtung des Kavaliersbaus auf der Ostseite und Umbauten der Schlosskirche umfassten. Im Zuge der damaligen Modernisierung dürften auch alle steinernen Fensterstöcke erneuert worden sein. Nach der Aufgabe als Residenz 1971 trat ein Leerstand ein. 2008 wurde es an private Besitzer verkauft, die es bis 2009 unter besonderer Berücksichtigung der historischen Substanz instand setzten.

     

     

    Beschreibung

    Das Schloss bildet eine durch eine südliche Torwand geschlossene Dreiflügelanlage mit dem Schlossgebäude im Westen, dem Kirchen- und Küchentrakt im Norden, dem Kavaliersbau im Osten und der Torwand im Süden. 

    Der Westflügel.Durch seine Aufstockung 1928 bildet der dreigeschossige Westflügel als eigentliches Wohnhaus die bauliche Dominante des Schlosses. Die Schaufassade steht weithin landschaftsprägend nach Südwesten und, durch die gestuften Fundament- und Terrassenmauern aus Bruchstein besonders hervorgehoben, hochaufragend über der angrenzenden Ökonomie und der Umgegend. Hier machte man sich den Geländeabfall von 30-40 Metern für eine herrschaftliche Architektur zunutze. Prägende Elemente stellen die beiden traditionellen und zu einem altbayerischen Landschloss geradezu regelhaft gehörenden runden Ecktürme dar, wie es sie auch im benachbarten Alteglofsheim aus dem späten 16. Jahrhundert gibt. Dazwischen spannt sich die dreigeschossige Fassade mit einer Reihe von acht eng getakteten Fensterachsen, während die Türme jeweils dreiachsig befenstert sind und durch ein Halbgeschoss im Dachbereich als viergeschossig erscheinen, akzentuiert von stark eingeschnürten Zwiebelhauben. Das Walmdach mit den Hausgauben-Reihen nimmt dem Gebäude etwas von der Wucht, die es als Satteldachbau hätte. Die beiden kurzen Hausseiten zeigen sich weniger aufwändig: nach Süden zweiachsig mit einer inneren großen und einer äußeren schmalen Fensterachse. Die Nordseite zeigt zwei Achsen.

    Die hofseitige Ansicht wird von einer gewissen „unregelmäßigen Regelmäßigkeit“ bestimmt, indem die Gebäudeachsen nach rechts verschoben sind und dadurch der linke Gebäudestreifen geschlossen erscheint. Nach der ersten Fensterachse mit dem rundbogigen Hauseingang besteht eine Gebäudekante, sodass die rechte Fassade etwas zurückspringt. Im rechten Erdgeschoss steht eine Reihe von drei Blendbögen, möglicherweise zugesetzte Arkaden, deren Pfeiler auf Sockeln stehen und Werksteinkämpfer zeigen. Rechts innen ist das alte Hauptportal eingesetzt, ein profilierter und faszierter Werksteinrahmen mit diamantiertem Sockel, Ohrung und einem Oberlicht mit halbrunden Schmalseiten, flankiert von zwei Spionfenstern. Die Obergeschossfenster stehen in vier Achsen. Ein nach rechts gerückter Zwerchgiebel trägt zwei Fenster und eine Lünette im kräftig gerahmten Dreiecksgiebel. Vier hohe Schlote besetzen unregelmäßig die Dachschräge.

    Der Nordflügel (Kirchen- und Küchentrakt). Die Nordseite des Hofes begrenzt den zweiteiligen Kirchen- und Küchentrakt. Beide unter einem Satteldach vereinigten Gebäudeteile, errichtet aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk, sind durch eine Stoßfuge getrennt. Die östliche Hälfte nimmt die ältere ehem. Schlosskirche St. Wolfgang ein. Sie zeigt auf beiden Langseiten zwei stichbogige, von Ziegeln eingefasste Fenster mit Glasmalereien der Zeit um 1900. Der rundbogige Eingang mit einem Werksteinrahmen liegt unter dem linken Fenster. Das ansteigende Hofniveau hat hier eine fünfstufige Vortreppe bedingt. Über dem Westende der Kapelle steht der achteckige, von zwei Reihen von Rundbogennischen gegliederte Dachreiter mit einer Welschen Haube. 

    Die Schlosskapelle von 1630 ist durch Kreuzgratgewölbe mit zarter Stuckornamentik auf den Graten geprägt. Der etwa zeitgleiche Altar, ein Zweisäulenretabel mit laubwerkumrankten Säulen und seitlichem Laubwerk, kam 1961 aus der Kapelle des Thurn und Taxis’schen Gutes von Mittenhausen bei Obermarchtal in Baden-Württemberg hierher.

    Zweigeschossig zeigt sich der Küchentrakt mit drei zugesetzten Rundbögen mit Backsteinfassung im Erdgeschoss, die die Gliederung des Westflügels fortsetzen und in denen Fenstertüren stehen. In den Achsen erscheinen darüber drei Fenster mit Werksteinrahmen. Die nördliche Außenseite ist weitgehend gleichmäßig angelegt, die Kirche mit zwei Rundbogenfenstern. Die Grenze zum Küchentakt markiert ein Regenrohr. Dahinter stehen drei Fensterachsen, im Erdgeschoss mit niedrigerem Format in unterschiedlichen Größen, an der Grenze zum Westflügel gibt es eine schmale Fensterachse.

    Der Ostflügel (Kavaliersbau). Mit seinem hohen Walmdach bildet der Kavaliersbau auf der Ostseite das bauliche Gegenstück zum Westflügel, dominiert zugleich Kirche und Torwand. Die Gliederung ist unregelmäßig. Im älteren Erdgeschoss (des 17. Jahrhunderts?) stehen drei Eingänge mit vergitterten Oberlichtern und unterschiedlichen Abständen, dazwischen links ein zugesetztes hohes Fenster, rechts ein weiteres Fenster. Die vier Fenster des verputzten Obergeschosses von 1928 sind – leicht nach innen gezogen – gleichmäßig geordnet. Ihnen entsprechen die Hausgauben im Dach. Über ein niedrigeres Dach ist der Dachstuhl mit dem der Kirche verbunden. 

    Die Torwand. Die Dreiflügelanlage ist nach Süden von einer glatten, zweigeschossigen Torwand mit niedrigem Satteldach geschlossen, deren rundbogige Einfahrt auf der Westseite liegt. Auf der Innenseite zeigt die aus Bruchstein errichtete Torwand im Erdgeschoss eine Reihe von vier Achteckpfeilern und Säulen im Wechsel, auf deren Kämpferkapitellen Sattelhölzer liegen. Darauf ruht der doppelte Schwellbalken des Fachwerkobergeschosses. Dieses eng getaktete Obergeschoss ist mit 15 Jochen zweizonig angelegt; die schlichte und regelmäßige Konstruktion zeigt Brustriegel im Wechsel mit fünf größeren Fenstern, zwischen denen gegenständige Strebenpaare stehen. 

     

    Burg- und spätere Schlosskapelle St. Wolfgang. Die Burg- und spätere Schlosskapelle St. Wolfgang wurde erstmals 1314 genannt; ob sich der Bau außerhalb der gotischen Burg befand, ist nicht bekannt; möglicherweise bildete sie den Urbau der heutigen Kapelle. Kapläne sind seit 1438 belegt. 1526 wird berichtet, dass der Kaplan der Kapelle St. Sebastian und Wolfgang in der Burg, genannt zum Haus, und zwar in einem kleinen und schlechten Haus wohne („in castro Neweneglofshaim alias zum Haus … habet domum residentie deputatem parvam non bona in edifciis“). Direkt nach dem Erwerb durch die Kartause Prüll 1630 fand der Neubau der Kapelle „in der Hofmarch des Cartheuser Clossters zu Prüel“ statt, die im Dreißigjährigen Krieg Schäden erlitt, sodass 1665 dort ein entweihter Altar stand. Nach dem Abschluss des Schlossneubaus 1680 erhielt sie zum Dank einen neuen Altar. Die kirchenrechtliche Stellung schwankte, neben der Burg- und Schlosskapelle wird sie im späten 18. Jahrhundert als Filialkirche und 1916 als Nebenkirche von Thalmassing bezeichnet. Die Profanierung erfolgte wohl um 1971.

    Worauf sich die 1916 erwähnte Erbauung der Kapelle 1749 bezieht, lässt sich derzeit nicht feststellen. Möglicherweise handelte es sich um eine Neuausstattung. Es kamen zu Thurn und Taxis-Zeiten um 1900 neue Glasfenster, um 1928 eine Heizung, 1961 der Altar und ebenfalls um diese Zeit die Empore hinzu. Die Raumschale und die Fassungen wurden im Rahmen der Schlosssanierung 2008/09 gesichert. 

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Schloss Haus und Schlosskapelle, Neueglofsheim 1, Thalmassing, publiziert am 03.02.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47779-d-3-75-205-8> (Datum des Zugriffs)
     

  • Quellen

    Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Thalmassing

  • Literatur

    BOOS Andreas, Burgen im Süden der Oberpfalz. Die früh- und hochmitttelalterlichen Burgen des Regensburger Umlandes (Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Bd. 5), Regensburg 1998, 379-383

    DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 347-348

    DIE KUNSTDENKMÄLER VON OBERPFALZ UND REGENSBURG, Bd. 21: Bezirksamt Regensburg, bearb. von Felix Mader, München 1910, 116-118

    HEIM Manfred (Hg.), Des Erzdechanten Gedeon Forster Matrikel des Bistums Regensburg vom Jahre 1665 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 3), Regensburg 1990, 149

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    HEIM Manfred (Hg.), Die Heckenstaller-Matrikel des Bistums Regensburg (1782-1787) (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 5, Regensburg 1992. 71

    HEIM Manfred (Hg.), Die Matrikel des Bistums Regensburg vom Jahre 1600 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 7), Regensburg 1993, 39

    MAI Paul (Hg.), Das Regensburger Visitationsprotokoll von 1589/90 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 12), Regensburg 200, 400

    MAI Paul, Das Regensburger Visitationsprotokoll von 1526, in: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Bd. 21, Regensburg 1987, 95, Nr. 260

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