2./3. Jh. Errichtung eines römischen Gebäudes (Villa rustica)
7. Jh. Abmauerung des römischen Gebäudes; Errichtung eineschristlichen Kultraum
8./9. Jh. Erbauung des ersten Kirchenbaus als Saalbau mit quadratischem Chor
12. Jh. Erbauung des zweiten Kirchenbaus mit Handquadermauerwerk
15. Jh. Erbauung des Turms
17./18. Jh. Neubau des Chors und Vergrößerung der Fenster
1901 Neubau des Kirschenschiffs und Umwidmung des alten Langhauses zum Chor; Umorientierung nach Westen
1904 Ausmalung; Weihe der Kirche
1908 Dachstuhlreparatur
1952 Außenrenovierung
1957 Übermalung der barocken Deckenmalereien
1991-1994 Entdeckung römischer Mauerreste und romanischer Bauspuren
Topografie
Die Pfarrkirche St. Nikolaus steht am östlichen Rand des Altortes; ihre Lage ist durch die auf römische Wurzeln zurückreichende Kultkontinuität bestimmt. Der Kirchenbau steht in Ost-West-Richtung und wird von einem in gleicher Richtung gestreckten Kirchhof umgeben, der im Westen dem hier verlaufenden Kirchweg folgt. Schon in der Karte der Uraufnahme von 1816 wird die allseitige und enge Umbauung mit dem Pfarrhof im Osten und drei größeren Anwesen auf den anderen Seiten deutlich. Westlich vorgelagert erstreckt sich der dreieckige ehemalige Marktplatz (heute Kirchweg-Hauptstraße), auf dem im mittleren 19. Jahrhundert das Rathaus entstand.
Geschichte
Ausgrabungen und Bauuntersuchungen im Rahmen von Renovierungsarbeiten von 1991 bis 1994 brachten die aufregende Baugeschichte der Kirche zutage. Sie steht über einem großem, luxuriös ausgestatten Wohnhaus eines römischen Landgutes aus dem 2./3. Jahrhundert, einer sogenannten Villa rustica. In dieses Wohnhaus wurde schon im 7. Jahrhundert ein christlicher Kultraum eingebaut, den im 8./9. Jahrhundert die erste Kirche ersetzte, bei der es sich um einen stattlichen Saalbau mit quadratischem Chor handelte.
Im 12. Jahrhundert entstand ein Kirchenneubau, dessen Langhaus im heutigen Chor vollständig in Länge und Höhe erhalten ist und der aus sorgfältig gearbeitetem Handquadermauerwerk besteht. In der Südwestecke dieses romanischen Kirchenschiffs errichtete man im 15. Jahrhundert den Kirchturm, der mit den Außenmauern des Langhauses fluchtet. Im 17./18. Jahrhundert wurde der romanische Chor durch einen vergrößerten Neubau ersetzt.
Nachdem im Laufe der Zeit dieser Kirchenbau zu klein wurde, entwarf der Regensburger Regierungsbautechniker Georg Strebel, der in der Region immer wieder tätig wurde, ein neues Kirchenschiff, das 1904 errichtet wurde. Der barocke Chor machte dem Neubau Platz. Das romanische Langhaus wurde zum neuen Chorraum umgewidmet, wodurch die Ostausrichtung der Kirche in eine Westausrichtung umgewandelt wurde. Der Turm erhielt ein neues Glockengeschoss. Bis zur Kirchweihe 1904 erfolgte die Neugestaltung der Raumschale durch die Stuckateurfirma Gebr. Grau in Regensburg und die Bemalung der Langhausdecke. Die ältere Ausstattung wurde bis auf die Kirchenbänke übernommen. Schon 1908 wurde eine Reparatur des einsturzgefährdeten Dachstuhls notwendig. Die Pfarrkirche erlebte nur wenige Sanierungen: 1952 im Äußeren und 1957 im Inneren, zuletzt nach den Ausgrabungen 1991. 1957 übermalte der Regensburger Kirchenmaler Ludwig Vogel das barocke Deckengemälde des Chors.
Beschreibung
Das Äußere. Die baugeschichtlich richtige Annäherung ist die von Westen, wie sie heute noch erfolgt. Hier steht das romanische Langhaus mit dem in die Südwestecke baulich und optisch eingebundenen Turm. Der Fassade ist das Gehäuse einer Lourdeskapelle mit Pilastergliederung und Dreiecksgiebel vorgesetzt, die einen Opferstock von 1591 birgt. Der Turm überragt das alte Langhaus mit seinem fünfgeschossigen gotischen Schaft, den Schlitzfenster durchbrechen. Der Oberbau von 1901 springt leicht zurück und ist von Pilastern und gerundeten Ecken eingefasst. Über dem Uhrgeschoss sind rundbogige Schallöffnungen. Ein kräftiges Kranzgesims leitet zur Zwiebelhaube mit ihrer stark eingeschnürten Laterne über. Dominant ist die turmähnliche, zweigeschossige Sakristei mit ihrem Pyramidendach an die Südseite des Chors gesetzt, kräftige Putzrahmungen und Rundbogenfenster prägen sie.
Der1901 von Georg Strebel entworfene neubarocke Bau ist von einer überaus kräftigen Formensprache mit starken Putzgliederungen bestimmt. Das Langhaus gliedern fünf Achsen hoher Rundbogenfenster und schlanke Pilaster. Die Kanten tragen Eckpilaster, über denen östlich Postamente mit Kugelaufsätzen Akzente setzen. Die Ostfassade ist durch die Pilastergliederung dreigeteilt. Über dem verkröpften Kranzgesims tritt der Mittelteil des Steildachgiebels risalitartig hervor, von einem Gesims mit Kugelaufsätzen abgeschlossen. Der Risalit rahmt eine Nische mit der Figur des Kirchenpatrons Nikolaus. Die Portale liegen in der zweiten Achse von Osten durch eine Pilasterrahmung mit geradem Gebälk und seitlichen Kugelaufsätzen.
Das Innere. Der Innenraum zeigt sich als lichter und weiter Saal mit einer Flachdecke und durch ionische Pilaster gegliederten Seitenwänden. Die Westseite nimmt in der Tiefe einer Fensterachse die dreifeldrige Orgelempore ein. Über einer steilen Hohlkehle ist der Deckenspiegel in große Felder mit dünnen und stark bewegten Stuckrahmen geteilt, ausgeführt von der Fa. Grau aus Regensburg. Den korbbogigen Chorbogen begleitet ein von Engeln gehaltener Theatervorhang, sodass der nur durch die Fenster gegliederte Chorraum als Guckkastenbühne aufgefasst wird, unterstützt in diesem Eindruck durch die Bemalung der Flachdecke mit dem Bild der Dreifaltigkeit und den rahmenden Stucksymbolen der Arma Christi. Die Beleuchtung geschieht durch die seitlichen Fenster, während die Rückwand dem Hochaltar vorbehalten ist. Das Portal und das obere Fenster der Sakristei tragen eine üppige Stuckierung, das Fenster mit Baldachin und Vorhang im Sinne einer barocken Proszeniumsloge. Das dort angebrachte Wappen bezieht sich auf die Epoche der Thurn und Taxis, während der 1920 bis 1971 hier der Platz des in Schloss Haus residierenden Prinzen (seit 1952 des Fürsten Franz Joseph und seiner Frau Elisabeth von Braganza) war, doch geht der Stuck selbst auf den Neubau 1901 zurück.
Die Ausstattung. Mit der zarten, pastellhaften Farbigkeit der Raumfassung kontrastieren die drei schwarz gefassten Altäre mit den vergoldeten Schnitzteilen und den bräunlich-rötlich marmorierten Säulen. Die Prinzipalstücke der Ausstattung, Hochaltar, Seitenaltäre, Kanzel, Orgel und Kirchenbänke, stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert und wurden in den Neubau übernommen.
Der Hochaltar ist ein raumhohes und repräsentatives Sechssäulenretabel mit gestuften Säulengruppen, einem üppig geschnitzten Bildrahmen, seitlichen Laubwerkschnitzereien und zwei bewegten Seitenfiguren der Bischöfe Albertus Magnus und Wolfgang. Das qualitätvolle und figurenreiche Altarbild zeigt den zwischen Engeln thronenden hl. Nikolaus als Patron der Kranken und Schiffbrüchigen. Im Auszug biegen sich als Volutenspangen zwei Giebelschenkel mit Engelsfiguren, dazwischen eine reiche Nische mit der Figur des Erzengels Michael. Die Formensprache lässt den Altar in die Zeit um 1710/15 datieren. Figuren an den Wänden bilden weiteres ‚Bühnenpersonal‘, darunter eine Beweinungsszene aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ein hl. Nikolaus um 1500.
Die beiden schlanken Seitenaltäre, die den Chorbogen flankieren, sind als Zweisäulenretabel mit Segmentbogengiebeln etwas einfacher aufgebaut. Sie tragen seitliche Laubwerke und spröde Akanthusschnitzereien zwischen Blumenvasen als Aufsätze. Die einstigen Altarbilder oder Figuren wurden durch eine Herz-Jesu-Figur links und Herz-Marien-Figur rechts ersetzt, die dem frühen 20. Jahrhundert angehören.
Die Laubwerkwangen des Kirchengestühls und die Kanzel gehören ebenfalls zur spätbarocken Ausstattung. Der vierseitige, von Säulen eingefasst Korb trägt die Figuren der Evangelisten, der sechseckige Schalldeckel den segnenden Christus über sechs kräftigen Volutenspangen. Farblich freundlicher in seiner Marmorierung präsentiert sich über dem Musikemblem der Brüstung der fünfteilige Orgelprospekt, mit einem erhöhten konvexen Mittelturm und zwei spornartigen Seitenfeldern, zwischen denen schmale Streifen stehen, alles mit kräftigen Kranzgesimsen und reichem Laubwerk sowohl in den Schleierbrettern als auch an den Flanken.
Die Friedhofsmauer. Die Friedhofsmauer des 19. Jahrhunderts bildet ein mehrfach geknickte und der Straßenführung des westlichen Kirchwegs folgende Umfassung des in Ost-West-Richtung gestreckten Friedhofs. Sie ist abschnittsweise durch breite, stichbogige Blendnischen gegliedert.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus, Kirchweg 6, Thalmassing, publiziert am 13.05.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47775-d-3-75-205-4> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Thalmassing
CODREANU-WINDAUER Silvia, EBELING Stefan, GIEß Harald, u. a., Die Kirche St. Nikolaus in Thalmassing. Ausgrabung und Bauforschung, in: GEMEINDE THALMASSING (Hg.), 1200 Jahre Thalmassing, Thalmassing 1995, 34-41
DHEIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 784-785
DIE KUNSTDENKMÄLER VON OBERPFALZ UND REGENSBURG, Bd. 21: Bezirksamt Regensburg, bearb. von Felix Mader, München 1910, 165
MAYERHOFER Josef, Die Pfarrei Thalmassing, in: FENDL Josef (Hg.), Thalmassing. Eine Gemeinde des Landgerichts Haidau, Thalmassing 1981, 116-126
N. N., Pfarrkirche Thalmassing, o. J., in: Kirchen Galerie, URL: <http://www.kirchen-galerie.de/de/?m=kirche&p=17012> (aufgerufen am 26.09.2024)
SCHOBER Anton, Die Pfarrkirche St. Nikolaus, in: Fendl Josef (Hg.), Thalmassing. Eine Gemeinde des Landgerichts Haidau, Thalmassing 1981, 134-138