11./12. Jh. Erbauung einer ersten Kirche
14./15. Jh. Verlängerung nach Osten
1533 Umbau mit zweiter Verlängerung nach Osten und Errichtung des Turms
1633/34 Beschädigung im Dreißigjährigen Krieg
Um 1715 Barockisierung
Nach 1817 Dritte Verlängerung nach Osten mit Polygonalchor
1885 Erwerbung des Hochaltars aus Köfering
1901 Einbau einer Orgel
1972 Errichtung des Volksaltars
1987 Umfangreiche Inneninstandsetzung
2000/01 Außenrestaurierung; Schutzverglasung der Farbfenster
2017 Restaurierung der Ausstattung
Topografie
Die katholische Filialkirche St. Peter steht unmittelbar am nordöstlichen Rand des früheren Wassergrabens des einstigen Wasserschlosses von Niedertraubling. Diese einst enge Beziehung zwischen Schloss und Kirche ist heute noch durch den überlieferten baulichen Bestand nachvollziehbar.
Geschichte
Schon das Urpatrozinium St. Peter deutet auf eine weit zurückreichende Geschichte der Kirche. 1988 entdeckten Archäologen die Reste eines romanischen Vorgängerbaus mit vier Bauphasen, wobei ersichtlich wurde, dass das heutige Langhaus noch auf den frühesten Fundamenten steht. Der älteste Bau war eine Saalkirche in der heutigen Breite und Westerstreckung mit einem um eine Mauerbreite eingezogenen Rechteckchor. Ihre Entstehung wird im 11./12. Jahrhundert angenommen und in Verbindung mit den Traublingern gebracht. Die Existenz eines adligen Ansitzes ist für die frühe Zeit nicht nachzuweisen.
Im 14./15. Jahrhundert (Gotik) wurde der alte Rechteckchor abgebrochen, die Langhauswände nach Osten verlängert und ein Polygonalchor errichtet. Der heutige Kirchenbau geht auf einen Umbau 1533 durch die Freiherren von Schwarzenberg zurück, deren Wappen mit der Jahreszahl auf einem Fensterstock im Turm-Erdgeschoss steht. Damals verlängerte man die Langhausmauern erneut nach Osten und schloss den Altarraum in der Flucht des spätestens in dieser Phase entstandenen Turms rechtwinklig. Schäden erlitt die Kirche – im Gegensatz zum nie verwüsteten Schloss – wohl 1633/34 im Dreißigjährigen Krieg, denn 1665 wird ihr Altar als beschädigt bzw. entweiht bezeichnet. Um 1715 geschah eine bescheidene Modernisierung. Auffallend ist der Unterschied in der Abbildung der Kirche auf Michael Wenings Ansicht des Schlosses von 1716/26: Hier ist der Nordseite ein Seitenschiff mit zwei Strebepfeilern angebaut, im „Obergaden“ werden drei Rundfenster und in der Nordwestecke ein Portalvorbau bzw. ein Vorzeichen mit einem Satteldach gezeigt.
Bei Wening und in der Uraufnahme von 1816 ist die Kirche kürzer als heute und mit geradem Chorschluss dargestellt, sodass eine dritte Verlängerung nach Osten um den heutigen Chor in der Nachfolgezeit stattfand. Ob ein Zusammenhang mit dem 1885 aus Köfering erworbenen Altar besteht, ist derzeit unklar. 1901 erfolgte die Aufstellung einer neuen Orgel von Willibald Siemann, München. 1987, 2000/01 und 2017 erfolgten eine umfangreiche Innen- und eine Außensanierung und die Restaurierung der Ausstattung.
Beschreibung
Das Äußere. Wo der Weiher den letzten Rest des Schlossgrabens bildet, steht, hinter großen Bäumen verborgen, die Peterskirche mit ihrem steilen Satteldach, dem von zwei markanten Treppengiebeln geprägten Flankenturm und der zweigeschossigen Sakristei mit dem Überzwerch-Walmdach auf der Nordseite. Das Langhaus zeichnet sich durch seine Länge aus, auf dessen Südseite die östliche Hälfte vier schmale Rundbogenfenster und die westliche Hälfte nur ein breiteres Emporenfenster und ein Emporenunterfenster als Okulus zeigt. Der leicht geschrägte Dreiachtelchor weist ein Stirnfenster auf. Die schmale Westseite ist einachsig gegliedert.
Das Innere. Aufgrund der dreimaligen Verlängerung entstand ein langer Innenraum mit einer tiefen Empore. Eine Flachdecke mit einer farblich abgesetzten Hohlkehle und einem Stuckrahmen über der Empore überspannt den Saal. Das Obergeschoss der Sakristei öffnet sich zum Kirchenschiff. Das westliche Drittel des Langhauses nimmt die Empore auf Holzständern ein, deren Unteransicht aus konzentrischen Kreisen besteht.
Die Ausstattung. Die zwei Reihen des Kirchengestühls bewahrten ihre um 1715 entstandenen Bandelwerkschnitzereien mit Akanthusranken. Der Altar wurde 1885 aus der Pfarrkirche im nahen Köfering erworben, für die er 1720 von dem Augsburger Kunsttischler Paul Dilger geschaffen worden war. Es ist ein viersäuliger Altaraufsatz (Retabel) mit reich geschnitzten Volutenkapitellen, einem schräg gestellten Gebälk und gesprengtem Giebel. Die flott geschnitzten Altarfiguren der Hll. Joseph und Nepomuk stammen von dem bekannten Augsburger Bildhauer, Modelleur und Stukkator Ehrgott Bernhard Bendl (um 1660–1738). Die Ranken an den Außenseiten gehen auf eine Maßnahme um 1760 zurück, als der Altar auch sein reiches Tabernakel erhielt. Als Schnitzer kommt Joachim Anton Pfeffer aus Prüfening infrage. Für die Neuaufstellung 1885 erhielt der Altar das Nazarenerbild des Apostelfürsten und Kirchenpatrons Petrus.
Unter den Bildwerken der Kirche befinden sich vier spätmittelalterliche Meisterwerke: Aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt eine hochbedeutende Petrusfigur mit üppigem Bartwuchs und Himmelsschlüssel. In die Zeit um 1460/70 datiert die aus Ton gebrannte spätgotische Gruppe der Beweinung, die aus Niederbayern kommen könnte, wo die Herstellung dieser Fertigungstechnik damals in Blüte stand. Die Gottesmutter hält in stiller Trauer den Kopf und die Schultern ihres Sohnes auf dem Schoss, dessen Leichnam neben ihr ausgestreckt liegt. An der Südseite steht neben dem Petrus die um 1460/70 geschaffene vorzügliche Figur einer trauernden Frau, die später zu einer schmerzhaften Muttergottes umgedeutet wurde. Eine weitere Gruppe entstand um 1490 aus Lindenholz und zeigt Anna Selbdritt: die hl. Anna, die ihre kleine Tochter Maria und das später geborene Jesuskind unterrichtet. Anna gehörte als Beschützerin der Familie zu den populärsten Heiligen des Mittelalters.
Einen leuchtenden Schmuck des Kirchenraums bilden die fünf farbigen Glasfenster, die Anfang des 20. Jahrhunderts von verschiedenen Stiftern – vom Bauern bis zum Fürsten – finanziert und in der führenden Regensburger Hof-Glasmalerei Georg Schneider gefertigt wurden. An der Spitze der Stifter steht 1904 Fürst Albert Lamoral von Thurn und Taxis mit dem Albertus-Fenster, das die Figur seines Namenspatron Albertus Magnus darstellt. Die anderen Glasmalereien zeigen den hl. Ludwig, den Namenspatron des Stifters Ludwig Graf von Lerchenfeld, Jesus in der Zimmerer-Werkstatt seines Vaters Joseph, des Patrons der Arbeiter, die Geburt Jesu und die Heilige Familie, gestiftet 1901 und 1904.
Die 1901 von der Münchner Firma Willibald Siemann geschaffene Orgel steht im offenen Obergeschoss der Sakristei an der linken Seite des Kirchenschiffs.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Filialkirche St. Peter, Schloßstr. 6, Niedertraubling, publiziert am 02.04.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47486-d-3-75-179-6> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Obertraubling
CODREANU-WINDAUER Sylvia, Ausgrabungen in der St.-Peters-Kirche zu Niedertraubling, in: Das archäologische Jahr in Bayern 1988, Stuttgart 1989, 149-150
DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 377
DOERFLER Heinrich, MAGERL Arnulf und MAYERHOFER Josef, Die Kirchen im Gemeindebereich Obertraubling, in: FENDL Josef (Hg.), Obertraubling. Beiträge zur Geschichte einer Stadtrandgemeinde, Regensburg 1982, 154-158 (Josef Mayerhofer)
HEIM Manfred (Hg.), Des Erzdechanten Gedeon Forster Matrikel des Bistums Regensburg vom Jahre 1665 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 3), Regensburg 1990, 39
MORSBACH Peter, Kirchen der Pfarrei St. Georg Obertraubling (Schauplätze. Unterwegs in Bayerns Geschichte), Regensburg 2018, 10-14