1287 Ersterwähnung einer Burg
1553 Umbaumaßnahmen
1633/34 Schäden im Dreißigjährigen Krieg, danach sukzessive Instandsetzung
Um 1723/24, um 1750 Weitgehender Um- und Neubau
1762 Neuausstattung der Schlosskapelle
1920-1922 Modernisierung
1934/35 Dachstuhlbrand über der Kapelle im Nordflügel; anschließend Reparaturen
1950/55 Verkauf
1993-1995 Instandsetzung; Wiederherstellung der Brücke
2014 Sanierungsmaßnahmen
Topografie
Das Schloss steht westlich des Dorfes als sogenanntes Weiherhaus in der Niederung des Wolkeringer Mühlbaches, der einige Kilometer westlich am Alten Berg entspringt, in Köfering in die Pfatter mündet und den erhaltenen Schlossweiher speist. In der Karte der Uraufnahme von 1816 fällt westlich, südlich und östlich des Weihers eine breite Fläche auf, die vom Mühlbach eingefasst wird und heute dem Straßenzug Am Mühlbach und dem Anwesen Am Mühlbach 10 entspricht. Möglichweise war dies ein äußerer Weiher, von dem ein kleiner Rest hinter dem Anwesen alte Haus-Nr. 24 liegt. Dazu kommen auf der Uraufnahme die Reste einer mittlerweile völlig abgetragenen Wallanlage auf der West- und Nordseite, die bei der Ansicht von Michael Wening von 1716/26 durch Bäume angedeutet wird. Südlich des Weihers standen im Winkel ein Wohnhaus und ein langgestrecktes Ökonomiegebäude, die es beide nicht mehr gibt. Auf der Ansicht von Wening ist das Wohnhaus teilweise gezeigt, daneben gab es eine Mauerpforte und einen Backofen. Während Wening in seiner Ortsansicht keine konkreten Angaben zu einer Schlosseinfahrt macht, zeigt die Uraufnahme direkt an der Straßenspinne Obere Dorfstraße, Röschenweg, Schloßweg und Am Mühlbach zwar keine Toreinfahrt, dafür aber eine kleine zweireihige Allee, die dem Verlauf des heutigen Schloßwegs entspricht. Der direkte Schlosszugang geschah nach Wening über einen Holzsteg anstelle der heutigen Steinbrücke.
Seit dem 18. Jahrhundert lag zwischen der Wolkeringer Straße und dem Schloss die in der Uraufnahme eingetragene rechteckige „Reit-Schule“, die zum Schloss gehörte und durch den Bachlauf in der Oberen Dorfstraße begrenzt wurde. Sie ist im mittleren und westlichen Drittel bebaut.
Geschichte
Am Ende des 11. Jahrhunderts betritt das Geschlecht der Gebelkofener im Zusammenhang mit dem Regensburger Stift Obermünster die Bühne der Geschichte und verblieb dort mindestens bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Wann genau eine Burg errichtet wurde, geht aus den überlieferten Aufzeichnungen aus dieser Zeit jedoch nicht hervor, doch dürfte eine solche spätestens im 12./13. Jahrhundert bestanden haben. Ihre erste Erwähnung findet sich allerdings erst 1287, als die Burg aus dem Besitz des Ekbert von Haidau an den hier seit der ersten Jahrhunderthälfte zunehmend an Einfluss gewinnenden bayerischen Herzog kam. 1336 werden die in der Region stark begüterten Auer von Brennberg als Besitzer genannt.
Der neuzeitliche Umbau der Burg zum Schloss fand in den 1550er Jahren statt, nachdem das Haus von der Familie Lerchenfeld übernommen worden war. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg 1633 wurde es wiederinstandgesetzt: „Was ohne gäntzliches Verderben dises Schloß und Hofmarch in Feinds-Zeiten erlitten, hat besagter Herr Obrister und dessen hernach folgende Herren Fidei Commiss Possessores nach und nach widerumben ergänzet“, heißt es 1726 in der Landbeschreibung von Michael Wening. Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich das nur von einem Richter bewohnte Schloss jedoch in einem schlechten Zustand: „massen so wol das Haupt-Gebäu als die Zimmer nicht am besten bestellet seynd“.
Die Entstehung des heutigen Schlosses wird allgemein in der Mitte des 18. Jahrhunderts angenommen. Konkrete Hinweise dazu gibt es nicht, aber die Bemerkung in der Bistumsbeschreibung von 1723/24, die Burgkapelle St. Barbara sei „gerade abgebrochen“ worden („modo diruta“), lässt einen Neubau um diese Zeit vermuten. Allerdings wurde die Schlosskapelle erst 1762 durch den Maler Martin Speer und vermutlich den Stuckator Franz Höflmayr neu ausgestattet. 1934 ereignete sich ein Dachstuhlbrand über dem Nordflügel. Das dabei abgebrannte Glockentürmchen über der Kapelle wurde nicht mehr wiedererrichtet.
Von 1950 bis 1955 befand sich das Anwesen im Besitz der Bayerischen Landessiedlung, kam dann an private Eigentümer. Von 1992 bis 1995 fand eine Instandsetzung des stark heruntergekommenen Schlosses statt. 2014 gab es weitere Sanierungsmaßnahmen mit dem Anbau eines Stahlbalkons auf der Südseite und einer Außensanierung 2016.
Beschreibung
Das Äußere. Das aus einer mittelalterlichen Niederungsburg unbekannter Zeitstellung hervorgegangene Schloss ist eine stattliche Vierflügelanlage, ein sogenanntes Weiherhaus, das auf vier Seiten von einem bis zu 25 Meter breiten Wassergraben umgeben ist. Auf der ältesten Darstellung des Schlosses bei Michael Wening 1716/26 handelte es sich um einen Zweiflügelbau aus einem östlichen und einem nördlichen Trakt mit zwei Kastenerkern und einer großen Sonnenuhr. Dahinter stand an der Nordwestecke der mittelalterliche Bergfried mit dem obersten Geschoss und einem Pyramidendach. Den Eingang hinter der hölzernen Fall- oder Zugbrücke bildete ein zweigeschossiges Torhaus mit zwei zwiebelbekrönten Fronttürmen, die möglicherweise zu einer Torkapelle im Obergeschoss gehörten.
Beim Ausbau des Schlosses zur heutigen Vierflügelanlage wurden ältere Bauteile einbezogen. Das dokumentieren die mittelalterlichen Keller unter dem Südflügel. Besonders fallen an der Südostecke eine unregelmäßige Befensterung in den Obergeschossen der Ostseite, eine deutliche Trauf- und Fassadenkrümmung an der südlichen Ostseite und im Erdgeschoss die unregelmäßigen kleinen Erdgeschoss-Fenster rechts der Toreinfahrt auf. Hier ist möglicherweise vom Rest eines Wehrturms auszugehen, den allerdings Wening nicht zeigt. Wie verlässlich Wenings Darstellung des in seiner Ansicht dargestellten nach 1553 entstandenen Hauses ist, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen.
Von den erwähnten Unregelmäßigkeiten an der Südostecke abgesehen, lässt sich das Bestreben nach Regelmäßigkeit der Fensterachsen erkennen. Süd-, Ost- und Westseite zeigen jeweils zehn Fensterachsen. Auch die Nordseite zeigt wiederum eine unregelmäßige Anordnung der Erdgeschoss-Fenster und in den Obergeschossen acht (von ursprünglich zehn?) Fensterachsen ungleichen Abstands. Durch das größere Fensterformat ist das zweite Obergeschoss als Wohngeschoss hervorgehoben. Im ersten Obergeschoss des Ostflügels liegen die Fenster tiefer als im Südflügel.
Die Schlosseinfahrt. Die Einfahrt markieren zwei etwa quadratische Torpfeiler des 18. Jahrhunderts, deren nicht mehr vorhandene Flügel durch Stützkloben angezeigt werden. Den Abschluss bilden steil gekehlte Kämpfer über einem Rundstab; darauf kleine giebelständige Satteldächer. Beiderseits stehen kurze Mauerpfeiler.
Die Kapelle. Die Lage der Schlosskapelle St. Barbara im Erdgeschoss des Nordflügels zeigte einst ein Zwiebelglockentürmchen an, das nach einem Dachstuhlbrand 1934 nicht wiedererrichtet wurde. Eine Burgkapelle St. Barbara mit einem eigenen Kaplan („capellanus capelle sanctae Barbare in arce“) wird 1508, 1589/90 („capella in arce“) und eine Schlosskapelle 1600 („Capella S. Barbarae in castro“) genannt, für die die Lerchenfelder das Präsentationsrecht besaßen. 1665 wird der Altar nach den Schäden im Dreißigjährigen Krieg als beschädigt bezeichnet („Capella S. Barbarae in castro (Göblkouen) altare unum violatum“). Hingegen bestand die Kapelle 1723/24 wohl nicht mehr, denn es heißt in der Bistumsbeschreibung, dass es „neben der Fililalkirche einst eine Burgkapelle in Gebelkoven gab“, die aber gerade abgebrochen worden sei („modo diruta“). Hier könnte ein Zusammenhang mit dem Schlossneubau zu sehen sein.
Die neue, 1762 ausgestattete Schlosskapelle im Nordflügel besitzt eine qualitätvolle Rokoko-Ausstattung: Die Wand- und Deckenmalerei werden dem Regensburger Maler Martin Speer zugeschrieben, und der 1762 datierte Stuck stammt möglicherweise von Franz Höflmayer, der zusammen mit Speer 1760 und 1761 in der Wallfahrtskirche Scheuer arbeitete.
Der annähernd quadratische Kapellenraum mit Flachdecke und Oratorium reicht über zwei Geschosse. Die Wandgliederung übernehmen Lisenen, die zum Teil pilasterartig mit Stuckornament dekoriert sind. Decke und Hohlkehle sind netzartig mit Rocaillestuck überzogen. Das Deckenbild zeigt die Verklärung des hl. Maximilian. Originell ist der Wandaltar ohne eigenen Aufsatz: Über einer geschwungenen Steinmensa und einem Tabernakel umgibt eine stuckierte Kartuschenrahmung das Freskogemälde der hl. Barbara; darüber ist die Darstellung der Maria vom guten Rat zu sehen.
Empfohlene Zitierweise:
Ehem. Schloss, Schloßweg 4, Gebelkofen, publiziert am 02.04.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47484-d-3-75-179-4> (Datum des Zugriffs)
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