1939-1942 Erbauung der Kirche durch Karl Schmid sen., Regensburg
1942 Überführung der Einrichtung von Pappenberg nach Wolfskofen; Erweiterung der Orgel durch Eduard Hirnschrodt
1943 Kanonische Errichtung der Pfarrei Wolfskofen
1949 Kirchweihe
1989 Restaurierung der Barockausstattung
2010 Orgelreparatur
2025 Erneuerung der Vortreppe
Topografie
Das Kirchenareal nimmt anstelle des alten Gutshofes die Südspitze des neuen Dorfes ein. Die Kirche steht, von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet, am Platz des alten Wohnhauses in einer großzügigen und ummauerten Grünanlage, die den Friedhof im Südosten und das Pfarrhaus auf der Südwestseite umschließt. Die südwestliche Begrenzung bildet der Moosgraben. Das Pfarrhaus steht an der Stelle eines früheren Nebengebäudes.
Beschreibung
Das Äußere. Der Kirchenbau, von einem grünen Freiraum umgeben, zu dem auch das wohl erhaltene Pfarrhaus gehört, wirkt monumental in seiner schlichten Kubatur. Das Schiff mit seinen fünf nach innen kontrahierten Stichbogenfenstern hat an der Westfassade ein vorgezogenes, auf zwei Bruchsteinpfeiler ruhendes Walmdach vor dem Eingang und zeigt darüber ein großes, von Quadern eingefasstes Rundfenster. Beim Umschreiten des Gebäudes wird der Quadersockel erkennbar. In das Kirchenschiff eingerückt ist der untersetzte und massive Chorturm mit seinen stichbogigen Schallöffnungen und dem hohen Pyramidendach. Die Sakristei bildet als eingeschossiger Walmdachbau die Südecke der Kirche.
Das Innere. Die Monumentalität, deren Inszenierung Karl Schmid wohl verstand, wie seine Antoniuskirche in Regensburg beweist, setzt sich im Innenraum fort. Er ist breit gelagert und wirkt durch die Bretterdecke mit ihren schrägen Langseiten nicht monoton und drückend, sondern großzügig. Der Chor im Turm öffnet sich mit einem hohen Rundbogen, dessen optische Fortsetzung das Tonnengewölbe mit seinen hoch einschneidenden Fenstern bildet. Die Eingangsseite wirkt hingegen auflockernd mit der auf Holzpfosten mit Sattelhölzern ruhenden und dreifach gegliederten Empore mit je fünf seitlichen Feldern. Der Orgelprospekt ist außerordentlich fein durchgliedert: ein Rückpositiv zwischen hohen, nach außen steigenden Seitenfeldern und dazwischen ein niedrigeres, zweifach nach innen steigendes Innenfeld, sodass der Blick auf das Christkönig-Westfenster mit seiner Rosenspitz-Untermalung nicht nur freibleibt, sondern auch feierlich gerahmt wird. Unter der Empore liegt der schlichte stichbogige Eingang mit einem eingestellten Windfang.
Die Ausstattung. Der schlicht gehaltene, auf Architekturgliederung völlig verzichtende Innenraum dient in erster Linie als „zeitlose“ Hülle für die Ausstattung der aufgegebenen Pappenberger Kirche. Nur die Kirchenbänke und die Glasfenster kamen als Neuschöpfungen hinzu. Sie zeigen links zwei etwa 15 Jahre vorher heiliggesprochene Kirchenmänner, den populären Bruder Konrad von Parzham und den Gelehrten und einstmaligen Regensburger Bischof Albertus Magnus sowie den Bistumspatron Wolfgang. Auf der rechten Seite zeigen die Glasmalereien Anna, die ihre Tochter Maria lehrt, und die Kleine Heilige Familie. Die Kirchenabbildungen unter den beiden hinteren Gemälden zeigen Pappenberg und Wolfskofen. Bei Bruder Konrad mit zwei Schulkindern steht die Wallfahrtskirche von seinem Wirkungsort Altötting.
Die fünf barocken Altäre sind wirkungsvoll in Szene gesetzt. Der 1719 von Johann Michael Doser aus Auerbach geschaffene Hochaltar steht als flach wirkendes Retabel vor der gleichfalls planen Rückwand und füllt den Raum bis unters Gewölbe. Die Üppigkeit des vergoldeten Schnitzwerks bestimmt den ersten Eindruck, sowohl im doppelten Unterbau als auch im reich gegliederten Viersäulenretabel mit dem rundbogigen Altarbild und seinem dunklen Gebälk. Darüber wimmelt es in kreisenden Wolkenwirbeln von kleinen und großen Engeln als Thronassistenten der Dreifaltigkeit vor einem bewegt schließenden Auszug. Seitlich des Retabels stehen die Figuren der beiden Märtyrerinnen Katharina und Barbara vor dynamischem, durchbrochenem Astwerk. Das 1726 von Johann Thomas Wild aus Auerbach gemalte Altarbild zeigt die Himmelfahrt Mariens: im unteren Teil die erstaunlich unaufgeregt diskutierende Apostelschar, darüber Maria, die leiblich von Engeln gen Himmel getragen wird.
Von völlig anderem Charakter sind die beiden Seitenaltäre, die aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen und in die Epoche des Rokokos führen. Auch sie wirken flach und zweidimensional. Sie verzichten auf die üblichen Säulen und ersetzen sie durch sich aufbäumende und dreifach konkav gebogene und nach außen gestellte und Muschelschnitzwerk tragende Volutenspangen, die Dynamik und Bewegung erzeugen. Dies setzt sich in etwas reduzierter, aber nicht weniger bewegter Form nach oben in einem von Rocaillen besetzten Auszug zwischen Volutenstützen und Engeln fort. Das linke, dreipassförmige Altarbild präsentiert Jesus mit dem brennenden Herzen und der Sockelinschrift „Ist Dein Herz so redlich mit mir, / als Meines mit Dir? Kg.10.15.“
Das Altarbild von 1798 im rechten Seitenaltar zeigt das Gnadenbild von Pappenberg, die Muttergottes als Mondsichelmadonna mit dem Jesuskind, die beide reiche Kronen tragen. Die Bildunterschrift unterrichtet von der Geschichte: „Gnadenbild Papenberg, welches im Schwedenkrieg nach Prag geflücht.‘ / dort in der Stiftskirchen Strahof andächtigst verehret wird, und / hier wieder aufgricht worden, anno 1798.“ Neben den Seitenaltären stehen auf Konsolen die Figuren der Hll. Nikolaus und Georg, Leonhard und Thekla.
Von Johann Michael Doser 1719 stammt auch die Kanzel, die noch reicher verziert ist als der Hochaltar – geradezu ein „horror vacui“ scheint hier zu herrschen. Aufgebogene Spangen besetzen die Ecken des fünfseitigen Kanzelkorbs, dessen Binnenflächen die bewegten Sitzfiguren der Evangelisten zwischen Engelköpfen und Wirbelwolken. Auch der Kanzelaufgang trägt vergoldetes Schnitzwerk. Auf der Rückwand hängt ein Ovalbild mit dem Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Den Schalldeckel umgeben Quasten mit Troddeln. Vorne sitzen zwei Engel neben einer reichen Bandelwerkkartusche mit der Aufschrift „Wer / ist wie Gott?“. Obenauf steht mit ausgebreiteten Flügeln und schimmernder Rüstung der Erzengel Michael mit dem Flammenschwert und der Seelenwaage auf dem sich als Drache ringelnden Teufel.
Die beiden ältesten Altäre stehen an den Längswänden im rückwärtigen Teil des Langhauses. Sie wurden 1714 von Johann Michael Doser geschaffen und repräsentieren den in der Oberpfalz in der zweiten Hälfte des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts populären Typ des Laubwerk- oder Akanthusaltars. Sie sind schmal und hoch, stehen als atektonische Retabel auf einer reich geschnitzten Predella. Die hohe Figurennische umgibt ein Blätterbogen und umrankt dichtes, durchbrochenes, doch etwas sprödes Laubwerk, wie es für die Spätzeit dieses Altartyps bezeichnend ist. Den Figurenschmuck des linken Altars bilden Florian zwischen Joseph mit dem Kind und Paulus und oben der jugendliche Aloisius von Gonzaga. Die Inschriftkartusche auf der Predella bezieht sich auf das Florianspatrozinium: „In Not und Feuers- / gefahr o heiliger Florian / nimm dich unser aller an!“
Der rechte Altar, dessen Laubwerk breiter, bunter und lockerer wirkt, zeigt in der Mitte Sebastian, flankiert von Johannes Nepomuk und Antonius von Padua, oben Anna Selbdritt. Auch hier weist die Inschrift auf das Patrozinium: „In / Pest und Todesgefahr / O Heiliger Sebastian / nimm dich unser / aller an!“
Die beiden Patrozinien dürften sich nicht nur, wie bei Sebastian, auf die Pestepidemie von 1714, sondern mit Florian auch auf den gerade beendeten Spanischen Erbfolgekrieg beziehen, unter dem Bayern sehr zu leiden hatte. In eine ähnliche Richtung geht auch das Maria-Hilf-Bild von 1634, renoviert 1724, das sich auf die Wirren des Dreißigjährigen Krieges zwischen dem Einfall der Schweden 1634 und dem Entsatz durch die katholische Liga bezieht. Aus der alten Kirche stammen schließlich auch der neubarocke Kreuzweg und die Figuren des Erzengels Michael, der den Teufel besiegt, sowie die dynamisch bewegte Maria Immaculata, beide im Altarraum.
Schließlich sind an der linken Seite unter der Empore zwei gotische Werkstücke angebracht, die aus der Pappenberger Kirchen stammten und quasi als Relikte der verlorenen Heimat mitgebracht wurden. Die rötlichen Verfärbungen der Steine deuten auf Brandschäden.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Pappenberger Str. 4, Wolfskofen, publiziert am 13.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47444-d-3-75-170-31> (Datum des Zugriffs)
DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 885
FREIWILLIGE FEUERWEHR ROSENHOF – WOLFSKOFEN (Hg.), Festschrift zum 120 jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Rosenhof – Wolfskofen vom 26.05. bis 28.05.2000, Wolfskofen 2000, 49, 73-75
HUPFER Hermann und GEBHARDT Georg, Kurze Chronik zum 50. Gedächtnistag der Pfarreiumsiedlung Pappenberg – Wolfskofen, Wolfskofen 1988
MATOK Karl, Ortschronik, in: Festschrift FC Rosenhof-Wolfskofen e. V. 50jähriges Gründungsfest mit Standartenweihe vom 3.-5. Juni 1995, Wolfskofen, 1995, o. S.
MATOK Karl, Grundsteinlegung der Pfarrkirche gedacht – Gotteshaus in Wolfskofen hat eine ungewöhnliche Geschichte, publiziert am 17.08.2023, in: Mittelbayerische Zeitung online, URL: < https://www.mittelbayerische.de/lokales/landkreis-regensburg/grundsteinlegung-der-pfarrkirche-gedacht-gotteshaus-in-wolfskofen-hat-eine-ungewoehnliche-geschichte-14146628> (aufgerufen am 08.06.2024)
MATRIKEL DES BISTUMS REGENSBURG, hg. v. Bischöflichen Ordinariat Regensburg, Regensburg 1997, 821
N. N., Mariä Himmelfahrt (Wolfskofen), publiziert am 08.06.2024, in: Wikipedia, URL: <https://de.wikipedia.org/wiki/Mariä_Himmelfahrt_(Wolfskofen)> (aufgerufen am 11.03.2025)
SCHMID Diethard, Regensburg II. Das Landgericht Haidau-Pfatter und die pfalz-neuburgische Herrschaft Heilsberg – Wiesent (Historischer Altas von Bayern, Teil Altbayern, Reihe I, Heft 66), München 2014, 151, 217
WIDEMANN Josef, Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram (Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, neue Folge, Bd. 8), München 1943, 138
WEBER Rudolf, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Pappenberg, publiziert am 28.02.2023, in: Weber Rudolf, URL: <http://www.weber-rudolf.de/maria_himmelfahrt.htm> (aufgerufen am 11.03.2025)