Wallfahrtskirche Selige Jungfrau Maria

Scheuer

  • Zeittafel

    1461 Grundsteinlegung

    1467 Stiftung eines Benefiziums auf dem Martinsaltar

    15.-16. Jh. Entstehung der Wallfahrt

    1633/34 Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg

    17. Jh. Brand (?)

    Um 1700 Aufstellung der Kirchenstühle

    Um 1710 Aufstellung der Beichtstühle

    1722 Vergrößerung der Fenster und des Chorbogens

    1753-1757 Aufstellung eines neuen Hochaltars, wohl von Johann Baptist Dirr aus Stadtamhof

    1760/61 Stuckierung durch Franz Xaver Höflmayr, Ausmalung durch Martin Speer (Chorfresko 1760, Langhausmalereien 1761)

    1766 Ausmalung der Seitenstücke im Langhaus durch Martin Speer

    1767 Lieferung von zwei „Altärchen“ und zwei Seitenaltären mit Bildhauerarbeiten durch Valentin Dirr in Stadtamhof

    1793 Vergoldung der Altäre 

    1836/37 Reparaturen an der Friedhofmauer und dem Kirchendach 

    1850-1852, 1860-1862 Reparaturen an der Kirche und am Turm

    1881 Restaurierung

    1850/1900 Errichtung einer neuen Kanzel und neuer Seitenaltäre; Neufassung des Hochaltars

    1872-1874 Einbau einer neuen Orgel von Anton Ehrlich, Straubing

    1886 Anschaffung eines Kreuzwegs von Simon Seywald, Hengersberg

    1906 Renovierung der Kanzel durch Karl Schluttenhofer, Gangkofen

    1911 Renovierung der Deckenbilder durch Johann Böckl, Weichs bei Regensburg 

    1960 Restaurierung

    1974 Umbau der Orgel

    1978 Rückbau der Orgel

    1981-1986 Restaurierung

  • Beschreibung

    Topografie

    Die Kirche steht am südwestlichen Ortseingang, wo die alten Pilgerwege von Köfering und Alteglofsheim zusammentrafen. Auf ihrer Nordseite erstreckt sich ein größerer Platz, eine Art Dorfanger, auf dem sich die Pilger sammelten. Der hohe Kirchturm bildet von jeher in der weiten Ebene des Donaugaus, im 18. Jahrhundert im Landgericht Haidau und dem Rentamt Straubing gelegen, einen weithin sichtbaren Orientierungspunkt. 

     

    Geschichte

    Das wichtigste Geschichtszeugnis, sozusagen die „Gründungsurkunde“, befindet sich auf der Ostseite des Turms über zwei Spitzbogenfenstern: Eine Wappentafel aus Kalkstein, auf der zu lesen steht, dass „im Jahre des Herrn 1461 von dem edlen und gestrengen Ritter, Herrn Hans von Stauf zu Ehrenfels, der auf Köfering saß, der erste Stein zu dem Turm gelegt“ wurde. Man sieht dieses Datum als Baubeginn der ganzen Kirche an. Dieser Bau ist erhalten, wenngleich völlig überformt. 

    1467 stiftete Patronatsherr Heinrich Nothaft von Wernberg auf dem Martinsaltar ein Benefizium mit Frühmesse. Das Patronat ging 1604 an das Kloster Prüfening bei Regensburg und 1622 an die Grafen von Lerchenfeld auf Köfering über. Pfarrlich gehörte Scheuer mit Mangolding und Haidau nach Alteglofsheim. Die Kirche ist im Jahre 1600 als Filialkirche St. Martin bezeichnet; der Wechsel des Patroziniums hin zu „Beatae virginis Maria“, zur sel. Jungfrau Maria, fand vielleicht nach dem Dreißigjährigen Krieg statt. 1665 bereits trug sie diesen Titel, besaß damals drei zerstörte Altäre. 1688 ist kurzzeitig das zusätzliche Patrozinium Hl. Kreuz belegt. Einen Marienaltar gab es wohl von Anfang an. Wann genau allerdings die Wallfahrt entstand, entzieht sich unserer Kenntnis, man nimmt allgemein das 15./16. Jahrhundert an. Zeugnisse dieser Wallfahrt sind die glücklicherweise erhaltenen Votivbilder aus dem 18. und 19. Jahrhundert, unter denen vor allem das große Votivbild der Pfarrei Alteglofsheim von 1762 auffällt.

    Für den Kirchenbau brachte das 18. Jahrhundert grundlegende Veränderungen. Schon 1700 kamen neue Kirchenstühle und um 1710 neue Beichtstühle. 1722 wurden die Fenster und der „Frohnbogen“ erweitert, worunter der Chorbogen zwischen Langhaus und Altarraum zu verstehen ist, an dem wohl ein Kruzifix hing – „fron“ ist das alte Wort für „Herr“. 1753 wurde bei einem Bildhauer in Stadtamhof, wohl von Johann Baptist Dirr, ein neuer Hochaltar bestellt und 1757 aufgerichtet. Damit begann die grundlegende Umgestaltung des Innenraums. 1760/61 erfolgten die Stuckierung durch Franz Xaver Höflmayr und die Decken- bzw. Gewölbemalereien durch Martin Speer. Speer schuf 1761 die Bilder der Seitenwände. 1767 lieferte Valentin Dirr aus Stadtamhof zwei „Altärl“, zwei neue Seitenaltäre, deren Altarbild vom Maler Bartholomäus Plaicher in Regensburg stammten. Es ist nicht ganz eindeutig zu klären, ob die zwei „Altärl“ mit den neuen Seitenaltären identisch sind. 1793 wurden die Altäre vergoldet. Es sind im 18./19. Jahrhundert zahlreiche kleine und auch umfangreiche Reparaturen an der Kirche, ihrer Ausstattung, am Turm und dem Dach überliefert, etwa 1836/37, 1850-1852, 1860-1862, 1886, 1902, 1903-1904 u.a.m.

    Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis um 1900 brachte ebenfalls Veränderungen mit sich. 1872-1874 baute Anton Ehrlich, Straubing, eine neue Orgel, die 1974 um- und 1978 rückgebaut wurde. Der Altarraum erhielt eine neue Ausmalung, der Hochaltar wurde 1881 von Peter Matthias Engleder aus Schierling neu gefasst, die alten Seitenaltäre wichen Neuschöpfungen, die Grisaillebilder im Langhaus erhielten eine farbige Bemalung und es wurden neue Fenster eingesetzt. 1886 kam der noch vorhandene Kreuzweg des Bildhauers Simon Seywald aus Hengersberg hinzu.

    1906 erfolgte eine Renovierung der Kanzel durch Maler Karl Schluttenhofer, Gangkofen. Die Deckengemälde wurden 1911 von Johann Böckl, Weichs bei Regensburg, renoviert.

    In zwei Restaurierungskampagnen 1961 und 1981-1986 erhielt die Kirche durch die Entfernung von Übermalungen das Innenraumbild des 18. Jahrhunderts zurück und strahlt heute als besonders hell funkelndes Juwel der Kunst des Rokokos im Regensburger Land.

     

    Beschreibung

    Das Äußere. Die mittelalterlichen Anfänge des Gotteshauses lassen sich am besten bei einem Rundgang um die Kirche erkennen. Die Kirche besitzt ein schlichtes, kastenförmiges Langhaus, an das sich der fünfseitige Chor mit seinen Strebepfeilern anschließt. Auf der Nordseite gibt es noch ein gotisches Lichthäuschen. An der Südseite des Langhauses erscheint eine vermauerte Spitzbogentür und oben am Turm stehen auf allen Seiten zweiteilige gotische Maßwerkfenster mit sog. Nonnenköpfen und Fischblasen darüber. Neben der erwähnten Bauinschrift ist ein bedeutendes spätgotisches Relief eingelassen, das wohl aus der gleichen Zeit stammt und zwischen Maria und Johannes den gekreuzigten Christus an einem Baumkreuz zeigt. 

    Das Innere. Den breit-behäbigen Innenraum beleuchten große Rechteckfenster, im langen Altarraum hinter dem Chorbogen umgeben sie den Hochaltar mit Lichtfülle, zum Turm sind sie gemalt. Die westliche Eingangsseite nimmt die Orgelempore auf zwei dünnen Holzstützen ein. Die Flachdecke über Chor und Langhaus schmücken zwei große Deckenfresken, zwischen den stuckgerahmten Langhausfenstern sind es in bewegten Goldrahmen große Graumalereien, sogenannte Grisaillen. Nach Osten stehen die Seitenaltäre und die Kanzel, in der Mitte der Längswände die Beichtstühle einander gegenüber. Der ganz vorzüglich gearbeitete Dekor steigert sich nach oben zur Decke. Es sind zerbrechlich wirkende, farbenfrohe und vergoldete Ornamente, die sich bewegen, aufbäumen, züngeln, die aus der Wand herauswachsen, Blüten und Äste ausbilden, besetzt mit Muschelkämmen und Fledermausflügeln, flatternden Blättern und fadenhaft dünnen Ranken; sie bilden um die Gemälde Felder mit Perlschnüren. Und doch bleibt immer eine Symmetrie, eine Ordnung erhalten, die kein Chaos duldet. Es handelt sich um Rocaillen, eine Spielart des späten Barocks, die sich seit den 1730er Jahren in Bayern als Rokoko verbreitete und zu einem letzten Aufflammen dieser Kunst führte, bevor sie durch die ruhigen und einfacheren Formen des Klassizismus abgelöst wurde. Der ausführende Stuckator hieß Franz Xaver Höflmayr, der 1760 hierher verpflichtet wurde. Höflmayr empfahl sich durch seine Arbeiten, die er mit seinem Kollegen Anton Landes in Regensburg ausgeführt hatte, bei der Neuausstattung der Alten Kapelle (1750-52) und der dazugehörigen Pfarrkirche St. Kassian (1754). 

    Mit dem Regensburger Maler Martin Speer (1701-1765) gelang es, einen führenden Meister jener Zeit zu verpflichten, der sich nicht nur durch Arbeiten in der Region, sondern auch in den Klöstern Mallersdorf, Maihingen, Frauenzell und Metten einen Namen gemacht hatte.

    Das Bildprogramm, das sich auf Maria bezieht, ist für eine ländliche Wallfahrt von außergewöhnlicher theologischer Qualität und Aussagekraft. Die direkte Anregung ging von dem Bildzyklus aus, den der Maler Gottfried Bernhard Götz 1754 in St. Kassian zu Regensburg geschaffen hatte und der die Person Mariens typologisch interpretierte. Die Typologie erklärt rätselhafte Personen und Geschehnisse im Alten Testament (‚Typus‘ oder ‚Urbild‘) als Verheißungen, die im Neuen Testament (‚Antitypus‘) erfüllt werden. Dies wurde meistens auf Christus bezogen, seltener auf Maria. 

    Martin Speer signierte 1760 das Bild über dem Chor, das die Verehrung und Lobpreisung Mariens durch die Welt zeigt: Maria, bekränzt von Sternen, über ihr die Taube des Heiligen Geistes, wird von Engeln getragen, unter ihr haben sich die vier (damals bekannten) Erdteile versammelt. Sie stehen für alle Völker, wodurch die Herrschaft Mariens über die Welt symbolisiert wird. 

    Über dem Langhaus schuf Martin Speer 1761 ein figurenreich komponiertes Bild, dessen Geschehen vor einer hochaufragenden und umrahmenden Architekturkulisse spielt. Die Königin Ester bittet den König Ataxerxes (früher Ahasver) um Gnade für das Volk Israel. Der Maler illustriert hierbei eine Stelle aus dem Buch Ester. So wie Ester durch ihre Fürbitte das Volk Israel rettete, wird auch die Himmelskönigin das Volk der Gläubigen durch ihre Fürsprache bei Christus retten. 

    Die sechs Grisaillegemälde an den Längswänden führen den Gedanken der Typen und Verheißungen Mariens fort. Der Zyklus beginnt auf der Nordseite, links vorne mit der Vertreibung aus dem Paradies, über der Maria Immaculata, die ohne Sünde empfangene Maria, schwebt: So wie durch Eva der Tod in die Welt kam, kam durch Maria als der neuen Eva das Leben in die Welt. Gegenüber sehen wir das Dankopfer Noahs nach dem Ende der Sintflut, darüber Maria mit dem Kind und einem Anker als Symbol der Hoffnung und unter der Stuckkartusche im Scheitel das Marien-Monogramm. 

    In der Mitte der Nordseite illustriert das Bild in der unteren Hälfte die Auffindung Moses durch die Tochter des Pharaos. Die Königstochter als Beschützerin Moses‘ gilt als Typus Mariens als der Beschützerin der Kirche; sie erscheint darüber mit Zepter, Krone und Rosenkranz und einem wertvollen Krug. Gegenüber auf der Südseite steht unten Judith mit dem Haupt des Holofernes, die mit ihrer Tat das Gottesvolk rettet, auch sie ein Typus für Maria als Siegerin über das Böse. Diese erscheint darüber als Himmelskönigin, deren Kind den Drachen mit einem Kreuzspeer tötet und somit die gläubige Menschheit rettet.

    Das westlich anschließende Bild des brennenden Dornbusches ist ein weitverbreiteter Typus sowohl für die Verkündigung an Maria als auch für ihre fortwährende Jungfräulichkeit. Wir sehen links Moses vor dem brennenden Dornbusch, aus dem Gott zu ihm spricht. Links steht König David, aus dessen Geschlecht Jesus stammte, an der Spitze der Patriarchen, die in der Vorhölle betend auf ihre Erlösung warten. Das obere Bild zeigt daher die Verkündigung an Maria. 

    Den Abschluss des Zyklus bildet das letzte Fresko auf der Nordseite: Es zeigt Maria vor ihrem Sohn Jesus Christus als Fürbitterin für die Menschheit, die zu ihren Füßen dargestellt ist, von Krüppeln und Bettlern auf der einen bis zu Papst und Kaiser auf der anderen Seite. 

    Der Stuckdekor Höflmayrs steigert sich nach oben, verdichtet sich in der steilen Hohlkehle zwischen Wand und Decke und in den Ecken, wo zwischen geschwungenen Spangen Pflanzen dreidimensional aus der Wand wachsen und darüber bewegte, vielteilige Rahmengebilde dem Rahmen des Mittelbildes flammengleich entgegenzüngeln. In den Ecken und über den Fenstern sind kleine Sinnbilder angebracht, die sich überwiegend auf die Kirchenpatronin Maria und bisweilen auf die darunter befindlichen marianischen Grisaille-Bilder beziehen: Auf der Nordseite des Langhauses sind dies von vorne nach hinten Sonnenblume, Schlange und der Rebstock ohne Früchte, die Schlange mit dem Apfel, die Taube mit dem Blumenkranz, möglicherweise eine Anspielung auf die Unbefleckte Empfängnis nach dem Hohelied 6,9 („Doch einzig ist meine Taube, die Makellose …“), Krone und Szepter und zuletzt der Baum des Lebens mit den roten Früchten. Die Südseite beginnt mit den Marienblumen Lilien und Rosen, es folgen der Baum der Erkenntnis und das Flammenschwert des Engels, wiederum eine Taube mit Blumenkranz, vielleicht die Gaben des Heiligen Geistes symbolisierend, die göttliche Tugend der Hoffnung mit dem Anker, und schließlich der Rosenstock, wiederum ein marianisches Symbol. 

    Besonders auffällig: der Chorbogen als neuer „Fronbogen“, auf dem sich der Bau- und Patronatsherr in einer überaus prachtvollen Kartusche verewigte: „Philipp Nerius, des Heiligen Römischen Reiches Graf und Herr von Lerchenfeld, Ritter der rühmlichen Orden der Heiligen Hubertus und Georg“ – die beiden Orden sind an den Seiten aufgehängt. Beiderseits prangen Wappenkartuschen. Die linke zeigt das Wappen der Lerchenfeld, das rechte das Wappen der Nesselrode-Ereshofen, aus der Lerchenfelds Gattin stammte.

    Die Ausstattung. Der Hochaltar ist das Werk eines in Stadtamhof ansässigen Schreiners und Bildhauers, bei dem es sich nur um Johann Baptist Dirr aus Weilheim handeln kann, der zu jener Zeit als führender Altarbauer auch hier in der Region arbeitete. Der Hochaltar fügt sich als geschlossene und fast statisch wirkende Wand in den Raum ein. Über der gebauchten Mensa steht ein viersäuliges und dreiseitig gebrochenes Retabel mit der höchsten Schmuckform, der Kompositordnung aus Voluten und Laubwerk, die stets für Maria angewandt wurde. Die Brechung nimmt die Form des Chorhauptes auf. Zwischen den Säulen stehen zwei Propheten. Begleitet von vier Engelchen steht unter einem reichen Baldachin im Zentrum das Wallfahrtsbild der gekrönten Gottesmutter mit dem Kind und Zepter, die Mondsichel zu ihren Füßen, zu datieren um 1520. Als Schöpfer dieses Bildes gilt der Landshuter Bildhauer Hans Leinberger, aus stilistischen Gründen kann daran kaum ein Zweifel bestehen. 

    Ein auf beiden Seiten sichtbarer Vorhang ist vom Altar weggezogen worden und enthüllt seine ganze Pracht, die der Verehrung des Gnadenbildes gilt. Der Altarauszug wird von kräftigen Volutenspangen mit Vasenaufsätzen gestützt, in der durchbrochenen Mitte steht das Auge Gottes in Wirbelwolken und Strahlenkranz, unter dem abschließenden Baldachin die Taube des Hl. Geistes. Unter den Rokoko-Altären des Regensburger Umlands zählt dieser ohne Zweifel zu den herausragenden Schöpfungen. Beiderseits des Altars schließen zwei halbhohe Holzwände den Altarraum gerade ab. 

    Die beiden Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1900; sie sind in neubarockem Stil errichtet, handwerklich vorzügliche Werke einer Zeit, die gerade den Barock wiederentdeckte und als Kunststil schätzen lernte. Der traditionellen „Weiberseit’n“, der Frauenseite in der Nordhälfte der Kirche, ist der Altar der Heiligen Familie zugeordnet, mit Maria, Josef und dem kleinen Jesus, die Figuren in Polierweiß. Das marmorierte Retabel vor einem großen Vorhang ist ein atektonischer, bewegter Rahmen aus großen Spangen und Voluten und einem geschwungenen Gebälk, darüber der verhüllte Auszug, hinter dem Strahlen hervorbrechen; ein Engelskopf, Blumengirlanden und Rocaillen vervollständigen den Schmuck. Gegenüber, auf der „Mannerseit’n“, der südlichen Männerseite, steht der gleich gestaltete Martinsaltar, der an den ersten Patron der Kirche erinnert und die Mildtätigkeit des Heiligen zeigt.

    Das dreiteilige Chorgestühl beiderseits des Hochaltars – es gehört mit seinen Laubwerkwangen zum Kirchengestühl von etwa 1700 – und die Kommunionbank wurden anlässlich der Sanierung 1986 wieder aufgestellt. Die Kanzel an der Südseite des Chorbogens trägt auf ihrem schlichten rechteckigen Korb die Bilder Christi und der Apostel Petrus und Paulus; auf dem Schalldeckel, gestützt von Volutenspangen, liegt das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Der ungewöhnliche Standort der Kanzel, die ein prachtvolles Epitaph von 1578 verdeckt, die wenig spannungsvollen Ornamente im Stil des früheren 18. Jahrhunderts und der Schriftstil der Gemälde erweisen sie als Schöpfung aus der Zeit um 1900. Gegenüber steht die Figur des bayerischen Landespatrons Johannes Nepomuk in der geläufigen Darstellung mit Chorrock, Pelzmozzetta und Birett und Kreuz; die Figur entstand kurz nach der Heiligsprechung 1729. 

    Die beiden in die Wand eingesetzten Beichtstühle sind Schöpfungen der Zeit um 1710, unterteilt durch Pilaster und bekrönt von üppigen Akanthus- oder Laubwerkschnitzereien, die zu jener Zeit auch an Altären beliebt waren; sie schließen zwei den beiden Geschlechtern zugeordnete Bilder ein, die als Symbole der Buße an sehr vielen Beichtstühlen auftreten: auf der Männerseite Petrus in der Reue und auf der Frauenseite die Büßerin Maria Magdalena. 

    Die Orgel auf der westlichen Empore wurde 1874 von Anton Ehrlich aus Straubing geschaffen, 1974 von Michael Weise, Plattling, umgebaut, was 1978 von Johann Rickert, Regensburg, rückgängig gemacht wurde. Der dreiteilige Prospekt von 1874 mit dem runden Mittelteil, den vergoldeten Schleierbrettern und zierlichen Vasen fügt sich vorzüglich in den Raum ein, der Zinnprospekt stammt von 1978. 

     

    Die Friedhofsmauer 

    Die alte Friedhofmauer umgibt die Kirche bis heute auf der Nord-, Ost- und Südseite, wobei das Leichenhaus die Südwestecke markiert. Das Alter der Friedhofmauer ist nicht genau bestimmt. Allgemein wird ihre Entstehung im 18. Jahrhundert angenommen, doch ist es durchaus möglich, dass sich auf der Südostseite, an der sie durch breite Böschungspfeiler stabilisiert ist, und auf der unregelmäßig verlaufenden Ostseite ältere Substanz verbirgt. Hier gibt es ein Portalgehäuse mit einem von einem flachen Stichbogen überfangenen Zugang. Der Hauptzugang liegt in der Nordmauer. Die heutige Ausdehnung des Friedhofs und seiner Mauer geht auf jüngere Erweiterungen nach Westen und mit einem neuen Friedhofteil nach Süden zurück. 

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Wallfahrtskirche Selige Jungfrau Maria, Dorfstr. 35, Scheuer, publiziert am 09.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47436-d-3-75-170-23> (Datum des Zugriffs)
     

  • Quellen

    MORSBACH Peter, Dokumentation zu Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte der Wallfahrtskirche St. Maria in Scheuer, Typoskript 2022

  • Literatur

    DECKER Bernhard, Das Ende des mittelalterlichen Kultbildes und die Plastik Hans Leinbergers (Bamberger Studien zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, Bd. 3), Bamberg 1985

    DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 714-715

    DIE KUNSTDENKMÄLER VON OBERPFALZ UND REGENSBURG, Bd. 21: Bezirksamt Regensburg, bearb. von Felix Mader, München 1910, 143-147 

    GRUBER Peter F., Wallfahrtskirche Scheuer, München-Zürich 1986

    HEIM Manfred (Hg.), Des Erzdechanten Gedeon Forster Matrikel des Bistums Regensburg vom Jahre 1665 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 3), Regensburg 1990, 146 

    HEIM Manfred (Hg.), Die Beschreibung des Bistums Regensburg von 1723/24 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 9), Regensburg 1996, 232

    HEIM Manfred (Hg.), Die Matrikel des Bistums Regensburg vom Jahre 1600 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Beibd. 7), Regensburg 1993, 16

    KÖLBL Christian, Wallfahrtskirche Beata Maria Virgo Scheuer, Regensburg 2015

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    MICHAL Barbara, „Pilgern boomt(e)“. Kleine Streifzüge durch die Wallfahrtsgeschichte Ostbayerns, in: Ausst. Kat. Brücke zum Wunderbaren. Von Wallfahrten und Glaubensbildern, Regensburg Historisches Museums, 15.04. bis 06.06. 2014, Regensburg 2014, 145-161

    UTZ Hans J. und TYROLLER Karl, Wallfahrten im Bistum Regensburg, München-Zürich 2. Auflage 1989, 206