Ehem. Landsassengut

Moosham

  • Zeittafel

    Gutshaus

    Nach 1634 Neubau nach Kriegsschäden

    1878 Einbau einer Brauerei

    1950er Jahre Anbau an der Nordostseite

    2000er Jahre Fassadensanierung

    2016 Dachsanierung

     

    Stall

    Um 1851 Neubau nach Brand und Abbruch des alten Wasserschlosses

    2000er Jahre Umnutzung als Garage und Veranstaltungsort

     

  • Beschreibung

    Topografie

    Das ehemalige Landsassengut bildete in der Karte der Uraufnahme von 1816 das nordwestlichste Anwesen des Altortes an der Hauptstraße des Haufendorfes, identisch mit der wichtigen Altstraße zwischen Regensburg und Geiselhöring. Hier stand das alte Hofmarkschloss mit einem trockengefallenen oder trockengelegten Ringgraben, der verschüttet wurde und sich im Geländerelief kaum mehr feststellen lässt.

    Der Stall bildet einen von Südosten nach Nordwesten ausgerichteten, mächtigen Riegel an der Nordostseite des Anwesens.

     

    Geschichte

    Am nordwestlichen Ortseingang des alten Dorfes Moosham, einem 885 nachweisbaren Königsgut, das zur Gründungsausstattung der Alten Kapelle in Regensburg gehörte, stand bis ins 19. Jahrhundert ein Wasserschloss. Auf der Uraufnahme steht es anstelle des heutigen Stalls, umgeben von einem bereits trockenen Ringgraben. Es handelte sich um das Schloss der 1452 erwähnten Hofmark Moosham. 

    Eine Schlossansicht, die der Alteglofsheimer Schlossbenefiziat und Lokalhistoriker Michael Rödig 1838 zeichnete, zeigt einen dreigeschossigen Steildachbau mit Schweifgiebel, Flankenturm und Söller. Die Vermutung, das Schloss könnte in dieser Form um 1550 von Kaspar von Lerchenfeld, dem die Hofmark verpfändet war, errichtet worden sein, ist aufgrund der Architekturformen nicht von der Hand zu weisen. Es handelte sich um ein Landsassengut, das 1558 als „Sizl“, also als kleiner Ansitz Lerchenfelds, und 1576 als Edelmannssitz belegt ist. Die Lerchenfeld verkauften es 1609 an den Regensburger Domherrn Johann Scharf. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1634 von den Schweden „arg ruiniert“ und nach der Wiederherstellung als Brauerei mit Tafernwirtschaft genutzt. So heißt es in Michael Wenings Landesbeschreibung von 1726: „Darbey befindet sich ein Tafehrn / und Präustatt / alles mit einem Graben und Empfang umgeben.“ Zugleich entstand das heutige Gutshaus als Nachfolger des alten Schlosses. Aus dem Besitz des Regensburger Jesuitenkollegs St. Paul kam das Anwesen 1656 an einen Mathias Grember von Mötzing und von diesem 1665 an das Domkapitel Regensburg. Nochmals Wening: „So wol das Schlößl / als gemeine Gebäu befinden sich in zimblich guten Standt“. 1778 wird eine Schlosskapelle St. Johannes Nepomuk genannt. Noch 1844 befand sich das Schloss „in ziemlichen guten Stand“, brannte jedoch 1851 aus und wurde abgebrochen. An seiner Stelle entstand der bestehende Stall. Ein alter Turm stürzte 1956 ein. 

    Schon 1606 gehörten zum Schloss Brauhaus, Brauerei und Bäckerei. Eine Brauerei mit Tafernwirtschaft bestand nach dem Dreißigjährigen Krieg im alten Schloss. Auch 1844 wird ausdrücklich ein Brauer erwähnt. Als Michael Meyringer 1878 seine Brauerei einrichtete, konnte er also auf eine lange Brautradition zurückblicken. Das Gutshaus, im 17. Jahrhundert neben dem kriegsbeschädigten Schloss entstanden, wurde zugleich Wohnhaus und Brauerei. Es ist von Umbauten seit 1878 auszugehen, wobei von der historischen Brauereiausstattung große Teile erhalten blieben. Seit 1919 trug die Brauerei den Namen Hugo Meyringer, seit 1948 bis zu ihrer Aufgabe um 2010 die Bezeichnung Gutsbrauerei, jetzt Alte Brauerei. Wohl in den 1950er Jahren entstand an der Nordostseite des Hauses ein Anbau der Brauerei. In den 2000er Jahren erfolgte eine Fassadenrenovierung, 2016 eine Dachsanierung.

    Der ehemalige Stall entstand nach der Brandzerstörung und dem Abbruch des Hofmarksschlosses 1851. Der Grundriss lässt im Vergleich mit der Uraufnahme vermuten, dass die alten Fundamente beibehalten wurden, zumindest deckt sich die südöstliche Hälfte des Stalls mit dem Grundriss des Schlosses. Allerdings wurde der Neubau aus Ziegeln errichtet, sodass von einer Nutzung aufgehenden älteren Mauerwerks nicht auszugehen ist. Die Umnutzung als Garage und Veranstaltungsort geschah in den 2000er Jahren.

     

    Beschreibung

    Das Gutshaus vereinigt unter einem Dach Wohn- und Brauereiteil. Den südwestlichen, an der Straße gelegenen Teil, nimmt der Wohnteil ein, der sich im Inneren besonders durch die kreuzgratgewölbten Fletze auszeichnet. Im nordöstlichen Brauereiteil sind noch große Teile der Brauereiausstattung vorhanden wie die Kamine, die Malzdarre und die Aufzugsgaube. Zur Brauerei gehört der jüngere Anbau an der Nordostseite. Eine besondere denkmalpflegerische Bedeutung als Zimmererkonstruktion kommt dem barocken Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl und Andreaskreuzen im Windverband zu.

    Das Gutshaus ist ein imposanter, breitgelagerter, zweigeschossiger Walmdachbau, der zum Hof firstparallel steht. Besonders markant ist das Erscheinungsbild durch die Hauskamine und den hohen Schlot der Brauerei. Die kürzere Straßenseite ist durch eine mittige, stattliche Aufzugsgaube geprägt. In der regelmäßig vierachsigen Fassade steht der Hauseingang in der zweiten Achse von links. Die Erdgeschossfenster zeigen ein korbbogiges, reich vergittertes Eckfenster des späten 19. Jahrhundert mit klassizistisch-neugotischem Zierrat. Das weich gekehlte Türgerüst trägt ein korbbogiges Oberlicht. Rechts stehen zwei Stichbogenfenster. 

    Das Obergeschoss zeigt Rechteckfenster, eine Sonnenuhr und eine Nische mit Heiligenfigur über dem Portal. 

    Ein einachsiger und eingeschossiger Vorbau mit Altan besetzt die südwestliche Hausecke. Darüber reihen sich siebenachsig die Rechteckfenster, wie an der Südfassade mit Anschlag. Die Ostseite zeigt eine Unregelmäßigkeit in der Befensterung und wird ganz wesentlich von dem stattlichen Brauereianbau mit Flachsatteldach und großen Obergeschossfenstern geprägt. Von dieser Seite wird die Mächtigkeit des barocken Daches deutlich erfahrbar. 

    Der langgestreckte ehemalige Stall zeigt südöstlich einen Ziegelbau, die Hofseite eine Schiebetor-Verbretterung. Darüber steht ein Kniestock mit querrechteckigen Öffnungen. Das Satteldach schießt hofseitig vor und wird von einfachen Streben getragen. Auf der Rückseite besteht ein Schleppdachanbau. Das Innere des Stalls ist durch ein zweischiffiges böhmisches Kappengewölbe auf schlichen Säulen strukturiert. 

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Ehem. Landsassengut, Regensburger Str. 5, Moosham, publiziert am 08.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47432-d-3-75-170-19> (Datum des Zugriffs)
     

  • Quellen
  • Literatur

    EHM Klaus, Gutsbrauerei Hugo Meyringer Moosham, publiziert 2015, in: Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland, URL: <http://www.klausehm.de/BuchstabeM/M0425.html> (aufgerufen am 31.03.2025)

    FENDL Josef, 1100 Jahre Kirche Moosham. Festschrift herausgegeben zum Abschluß der Renovierungsarbeiten im Jahre 1976, Regensburg 1976, 22-27

    HEIM Manfred (Hg.), Die Heckenstaller-Matrikel des Bistums Regensburg (1782-1787) (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg Beibd. 5, Regensburg 1992, 70

    MEYRINGER Hugo e. K., Alte Brauerei Moosham, ohne Datum, in: Die alte Brauerei, URL: <https://die-alte-brauerei.de> (aufgerufen am 31.03.2025)

    N.N., Wirtschaftliche und soziokulturelle Entwicklung Mooshams, in: Festschrift 25-jähriges Gründungsfest des Schützenvereins „Frohsinn“ Moosham vom 9. bis 12. Juli 1993, Moosham 1993, 59

    SCHMID Diethard, Regensburg II. Das Landgericht Haidau-Pfatter und die pfalz-neuburgische Herrschaft Heilsberg – Wiesent (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern Reihe I Heft 66), München 2014, 516-522