1010 Schenkung der Kirche in „Mundirchinga“ durch Kaiser Heinrich II. an Kloster Niederalteich
1148 Päpstliche Bestätigung des Niederalteicher Besitzes
1240/47 Erste namentliche Erwähnung eines Pfarrers Poppo
Letztes Drittel 17. Jh. Umfangreiche Renovierung, dabei neue Kirchenstühle
1715 Weihe des Hochaltars
1730/40 Aufstellung der Seitenaltäre; linkes Altarbild von Johann und Otto Gebhard, Prüfening
Um 1750 Turmausbau bzw. Turmerhöhung
1818 Neuaufstellung des Hochaltars
1819 Fassung des Hochaltars und Fertigung der Altarbilder
1820 Aufstellung der Kanzel
1825 Ausmalung der Fresken der Decke und des Chors
1847 Aufstellung des Tabernakels
1874 Tünchung; Neufassung der Altäre und der Kanzel
1880 Errichtung von zwei Beichtstühlen, einem neuen Kirchengestühl und neuer Orgel
1890-1892 Renovierung durch die Werkstatt Veit Borowitzka, Regensburg
1922/23 Neuausmalung durch Josef Wittmann (sign.)
1953/54 Renovierung mit Stuckierung; Erneuerung der Ausmalung
1997 Außensanierung
2000/01 Innenrenovierung; Erneuerung der Orgel
2008 Instandsetzung der Kirchturmzwiebel
Topografie
Die Pfarrkirche St. Mauritius steht in West-Ost-Ausrichtung südlich der großen Straßenkreuzung im Altort, an der sich Hauptstraße, Marktstraße und St.-Leonhard-Gasse treffen. Das Grundstück ist schon auf der Karte der Uraufnahme von 1816 viereckig mit leichtem Verzug nach Südosten dargestellt. Darin bildet sich eine Art Kirchenfamilie mit der Pfarrkirche an der Nordostseite, deren Eckpunkt die Nebenkirche St. Leonhard besetzt. Im Südosten verzeichnet die Uraufnahme die damalige Seelenkapelle, das heutige Leichenhaus. Südlich davon verbreitert sich die Marktstraße etwas. An der Nordwestecke von St. Leonhard verzeichnet die Uraufnahme ungewöhnlicher Weise einen großen Baum, dem hier eine besondere Bedeutung (als Dorflinde?) zugekommen sein muss.
Geschichte
Die früheste Nennung Mintrachings um 790 als „villa Mvntrihhinga“ weist auf die Herkunft vom Personennamen Minderîch hin. 1010 schenkte Kaiser Heinrich II. die Kirche in „Mundrichinga“ dem Kloster Niederalteich, dessen Besitz 1148 durch Papst Eugen III. bestätigt wurde. Niederalteich, auf das das Kirchenpatrozinium Mauritius zurückgeht, übte die Oberaufsicht und das Recht, den Pfarrer zu präsentieren, bis zur Säkularisation 1803 aus, das dann an den Landesherrn und 1918/28 an den Regensburger Bischof überging. Der erste namentlich bekannte Pfarrer Poppo wird 1240 bis 1247 genannt. 1438 gab es neben dem Pfarrer einen Kaplan, der möglicherweise für die Leonhardskapelle neben der Kirche zuständig war.
Das tatsächliche Alter des bestehenden Kirchenbaus ist unklar. 1665 ist zu erfahren, dass wohl als Folge des Dreißigjährigen Kriegs die drei Altäre Mauritius, Mariä Verkündigung und Zwölf Apostel beschädigt waren. Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts erfolgte eine umfangreiche Reparatur, jedoch kein Neubau. Der Pfatterer Schreiner Andreas Hopp lieferte damals neue Kirchenstühle.
Um 1750 wird der Neubau des Turms vermutet, der quellenmäßig bislang nicht belegt ist. Es könnte dabei der obere Teil des Turms erneuert worden sein. Arbeiten an der Turmkuppel durch Zimmermeister Hans Sichler, Pfatter, sind derzeit nur für das späte 17. Jahrhundert bekannt.
Am 20. August 1715 geschah die Weihe des neuen Hochaltars. Bis 1724 war die Zahl der Altäre auf fünf angewachsen: Mauritius, zwei Marienaltäre, Zwölf Apostel und Antonius von Padua. Die neuen Seitenaltäre kamen um 1730/40 mit Altarbildern von Johann und Otto Gebhard aus Prüfening. 1818 wurde der Hochaltar vom bislang unbekannten Kunstschreiner Kasper aus Stadtamhof „ganz neu aufgestellt“ und 1819 durch den Kunstmaler Josef Bauer aus Regensburg gefasst, der auch die Bilder des Hochaltars und der Seitenaltäre fertigte. 1820 lieferte der Regensburger Bildhauer Christoph Ittelsberger die Kanzel, die Josef Bauer fasste. 1825 erfolgte die Bemalung der Decke und der Chorwände durch einen Maler Hammer.
Maler Anton Bachl aus Schwandorf erledigte 1874 die Tünchung des Innenraums und die Neufassung der Altäre und der Kanzel. 1880 wurden zwei Beichtstühle eingebaut, das Kirchengestühl erneuert und von Georg Zweck, Amberg, eine neue Orgel geliefert. Eine große Renovierung erfolgte von 1890 bis 1892, bei der durch die Malerwerkstatt Veit Borowitzka in Stadtamhof die Raumschale renoviert wurde und neue Wand- und Deckenbilder entstanden. Diese hatten jedoch kein langes Bestehen, denn im Zuge einer weiteren Innenrenovierung 1922 bis 1923 erfolgte die Neuausmalung durch Josef Wittmann.
Ihr „Rokokokleid“ erhielt die Kirche indes erst 1953 bis 1954 durch das Regensburger Stuckgeschäft Ludwig Schuderer. Dabei wurde der Hochaltar barockisiert, an den Seitenaltären und der Kanzel die ursprüngliche Marmorierung freigelegt. In diesem Zusammenhang erfolgte wohl auch die „erneute Erneuerung“ des Freskenzyklus durch den Regensburger Kirchenmaler Ludwig Vogel und den Kunstmaler Manfred Schmidt, Freiburg. Eine Renovierung des Äußeren geschah 1997, des Inneren 2000 bis 2001 mit dem Einbau einer neuen Orgel sowie 2008 die Instandsetzung der Kirchturmzwiebel.
Beschreibung
Das Äußere. Den ortsbildprägenden Akzent setzt der Kirchturm an der Südseite des Chores. Der Schaft teilt sich in den wenig befensterten unteren Teil und den durch aufgedoppelte toskanische Eckpilaster eingefassten Oberbau mit Glocken- und Uhrgeschoss, auf dem ein hohes Gebälk ruht. Eine Zwiebelkuppel mit offener Laterne krönt den Turm. Der eingezogene und dreiseitige Chor ist – anders als das benachbarte St. Leonhard – von der Straßenfront zurückgesetzt; seine Ecken besetzen Lisenen. Das Langhaus trägt ein Satteldach. Die Traufseiten besitzen drei Achsen rundbogiger Fenster und, vom profilierten Traufgesims abgesehen, keine architektonischen Gliederungen. Eine offene Laube mit Walmdach bildet vor der Westseite das Vorzeichen. Die Nordostseite ist durch die zweigeschossige Sakristei und den Übergang zu St. Leonhard besetzt.
Das Innere. Der Innenraum präsentiert sich als schlichtes, nur durch die Fenster gegliedertes Langhaus mit einer Flachdecke, an das sich der kastenförmige, tonnengewölbte Chor anschließt. Den Altarraum bestimmen monumentale Eckpilaster und ein profiliertes Kranzgesims. Die Westseite des Langhauses nimmt die doppelgeschossige Empore mit ihren Felderbrüstungen und der Brüstungsorgel im oberen Geschoss ein.
Das Raumbild prägen entscheidend die großen geschweiften Neorokoko-Stuckfelder zwischen den Langhausfenstern und die Decken- und Wandmalereien, die im Chor mit „Jos. Wittmann 1923“ bezeichnet sind. Im Chor ist es das Bild der Eucharistie, in einer von Cosmas Damian Asam beeinflussten Manier der räumlichen Darstellung. Das Hauptbild der Langhausdecke hat die Schlüsselübergabe an Petrus und die damit verbundene Aufforderung zur Missionierung der Welt zum Inhalt, lesbar in beide Richtungen. Die ovalen Eckbilder zeigen über der Orgel Adolph Kolping und eine Krankenheilung, auf der Ostseite eine Kinderpredigt und die Taufe eines Erwachsenen. Die Wandbilder stellen im Langhaus die wundersame Brotvermehrung, die Heilung des Gichtbrüchigen und die Kreuzigung dar, im Chor die Anbetung durch die Hirten und die Kindersegnung. Stilistisch stehen die Malereien unter dem Einfluss der Beuroner Kunst, während die Rahmen von 1953/54 handwerklich gute, brave, aber wenig individuelle Rocaille-Motive bilden.
Der Orgelprospekt ist als Brüstungsorgel dreigeteilt und nach oben geschweift ansteigend. Die Teilung geschieht durch Pilaster außen und Lisenen innen. Die Schleierbretter stellen Rautengitter mit C-Spangen-Rahmen dar.
Die Ausstattung. Vor seiner Umgestaltung war der Hochaltar ein Viersäulenretabel. Heute stellt er sich als höchst eigenwilliges und in dieser Form einzigartiges stuckiertes Stil-Pasticcio dar, nimmt mit einem Rahmen von Doppelpilastern die ganze segmentbogige östliche Chorwand bis zum Kranzgesims ein, nach innen geschweift steigend und in der Kalotte durch einen Rocaille-Rahmen überhöht. Das über einem freistehenden klassizistischen Tabernakel aus vergoldetem Kupfer- und Silberblech von 1847 geschweift-rund schließende Altarbild von Josef Bauer zeigt den Kirchenpatron Mauritius. Reiche „Rocaille-Ohren“ bilden die seitlichen Einfassungen. Zwischen den Wandpilastern stehen die barocken Figuren des Johannes Nepomuk und des Franz Xaver aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die beiden als Paar gearbeiteten Seitenaltäre bilden schmale und flache Wandretabel mit gewundenen Säulen vor leicht schräg gestellten korinthischen Pilastern und kräftigen hohen Gebälkteilen, die konvex verbunden sind. Der konkave Einzug wird von zwei diagonalen Volutenspangen gestützt, auf denen Putti balancieren, und von einem Gitterfeld abgeschlossen.
Das rechte Altarbild stammt nach den Quellen von Josef Bauer 1818 und zeigt die Bergpredigt. Das linke Bild gehört in die Entstehungszeit des Altars um 1730/40 und zeigt Maria Immaculata vor einer Engelsschar. Es ist von den beiden Malern Johann und Otto Gebhard aus Prüfening bei Regensburg mit „J O Gebhard f“ (f steht für fecit oder fecerunt“ = hat oder haben gemacht) signiert.
Die klassizistische Kanzel an der Nordseite von Christoph Ittelsberger trägt rechteckige, elfenbeinfarbige Reliefs mit Sämann und Johannes auf Patmos, auf denen jegliche Feinheiten des Schnitzwerks mit Farbe zugekleistert wurden. Die Aufsatzfigur stellt Paulus dar. In der Ornamentik orientiert sich der Bildhauer in der Verwendung der Wellenranken am Kanzelkorb und Aufgang, den Kartuschen, den Engelsköpfen am Schalldeckel und dem Vorhang an der Rückwand am Spätbarock und setzt doch klassizistische Vasen und vergoldete Schnitzteile als moderne Akzente.
Das Personal der erhaltenen Barockfiguren aus dem 18. Jahrhundert ist mit der Muttergottes, Joseph, Rochus, Leonhard und Wendelin für eine Landkirche typisch.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Pfarrkirche St. Mauritius, Hauptstraße 12, Mintraching, publiziert am 07.01.2026, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47416-d-3-75-170-3> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Mintraching
Alteglofsheim, Pfarrarchiv, Bestand Mintraching
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