1776 Errichtung
1988 Erwerb durch die Gemeinde Mintraching
1990er Jahre Asylbewerberunterkunft, später Jugendtreff, dann Leerstand
2004 und 2008 Abbruchbeschlüsse des Gemeinderats
2015 Verkauf
2015-2017 Sanierung
2018 Denkmalpreis des Landkreises Regensburg
2021 Denkmalpreis des Bezirks Oberpfalz
Topografie
Noch in der Uraufnahme gehörte das Wohnstallhaus mit einem angebauten Stallflügel zum großen, offenen Zweiseithof eines großen Anwesens am Verbindungsweg zwischen Hauptstraße, Aukofener Straße und Ringstraße. Das zugehörige Grundstück wird heute weitgehend vom neuen Rathaus in Anspruch genommen, während der nördliche Hofbereich nun in fünf Grundstücke aufgeteilt ist, sodass nur das Haus selbst, die östliche Hofeinfahrt und ein Rumpfgrundstück vom historischen Umfeld erhalten blieben. Anstelle einer an der Ostseite des Anwesens liegenden, jetzt zugeschüttete Wasserfläche, die wohl als Schwemme diente, erstreckt sich heute eine Grünfläche.
Geschichte
Das sogenannte Holzer-Haus wurde 1776 als Wohnstallhaus eines offenen Dreiseithofes (alte Haus-Nr. 74), eines der größten Anwesen des Ortes, errichtet. Der Hof gehörte bis zur Säkularisation 1803 dem Kloster Niederalteich, kam danach in Privatbesitz und wurde im 19. Jahrhundert geteilt (alte Haus-Nr. 76 und 77 b). Es besaß einen vor 2008 abgebrochenen Stallteil und ist in der Uraufnahme zwar als Wohnhaus eingetragen, diente jedoch als Wohnstallhaus.
Nach rund 100 Jahren im Besitz der Familie Holzer wurde das Haus 1988 von der Gemeinde Mintraching von deren Erben erworben. Ein Teil des Anwesens wird vom Neubau des Rathauses in Anspruch genommen, doch Überlegungen zur Errichtung des Bauhofes anstelle des denkmalgeschützten Wohnstallhauses sind nicht realisiert worden. Nach Plänen der Gemeinde sollte das Gebäude als Gemeinschaftshaus aller Vereine saniert werden, was jedoch eine Bürgerinitiative 2002 und 2007 verhinderte. Es diente Anfang der 1990er Jahre als Unterkunft für Asylbewerber und als Jugendtreff. Zwei Abbruchanträge der Gemeinde 2004 und 2008 wurden gerichtlich abgewiesen. Nach dem Verkauf an einen Privatbesitzer wurde das Gebäude 2015 bis 2017 denkmalgerecht saniert, wofür den Eigentümern 2018 der Denkmalpreis des Landkreises Regensburg und 2021 der Denkmalpreis des Bezirks Oberpfalz verliehen wurde.
Beschreibung
Ursprünglich besaß das völlig in Bruchstein errichtete Haus an seiner Westseite einen eingeschossigen Stall, der um 2008 abgebrochen wurde, sodass nur das alte Wohnstallhaus stehen blieb. Die Abdrücke des Stalldaches lassen sich an der verschlämmten und unbefensterten westlichen Giebelmauer noch ablesen. Hier sind die Tür zwischen Haus und Stall im Erdgeschoss und eine ehem. Dachstuhltür im Obergeschoss erhalten.
Der zweigeschossige und nach Osten zur Straße giebelständige Satteldachbau zeigt auf der straßenseitigen Giebelwand eine dreiachsige Fenstergliederung im Rhythmus 2:1 mit einer Eckstube nach Süden. Das Dach besitzt ein großes Giebelspitzfenster und im unteren Dachgeschoss eine Heiligennische zwischen zwei kleinen Fenstern.
Im Erdgeschoss befinden sich auf der Hofseite drei Türen, deren rechte in das Fletz führt, die mittlere und linke in den ehemaligen, baulich noch ablesbaren Stall. Die Straßenseite zeigt zwei Eckstubenfenster, der Rest des Erdgeschosses eine unregelmäßige Befensterung. Prägendes Element der Hofseite ist das die gesamte Hausbreite einnehmende Traufschrot, das auf den Deckenbalken des Erdgeschosses ruht und zugleich von vier gedrechselten Hängesäulen („Stangen“) getragen wird. Der Bretterverschlag an der Westseite des Schrots markiert vielleicht die Lage einer früheren Treppe. Die Brüstung besteht aus Balustersäulen. Die Tür vom oberen Fletz zum Schrot entspricht dem Erdgeschoss-Eingang.
Die Nordseite mit ihrer unregelmäßigen Fensteranordnung im Obergeschoss besitzt zwei Erdgeschossanbauten mit Pult- und Satteldach, deren größerer in der Mitte bereits in der Uraufnahme bestand.
Die Hofmauer
Die besondere Stellung des einstigen Niederalteicher Hofes zeigte sich nicht nur an der Größe des Grundstücks, sondern auch an der für einen „normalen“ Bauernhof ungewöhnlich aufwendigen Hofeinfahrt aus dem 17./18. Jahrhundert, möglicherweise von 1776 wie das Wohnhaus. Es ist die Ostmauer aus unterschiedlich großen Bruchsteinen mit einzelnen Quadern im Abschnitt des heutigen Grundstücks erhalten, der Rest wurde beim Bau des Rathauses abgebrochen. Die Einfahrt selbst besteht aus drei Pfeilern, die der Mauer außen schmal-rechteckig angefügt sind, während der Mittelpfeiler einen quadratischen Grundriss besitzt. Die Abdeckung besteht aus einem flachen Pyramidendach mit Kugelaufsatz. Die länglichen Schlitze in den Pfeilern könnten auf einen Hochwasserschutz hinweisen.
Empfohlene Zitierweise:
Ehem. Bauernhaus, sog. Holzer-Haus, Friedenstr. 2a, Mintraching, publiziert am 23.12.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-47414-d-3-75-170-1> (Datum des Zugriffs)
BEZIRK OBERPFALZ, Neues Leben für das Holzer-Haus, in: Bezirk Oberpfalz, URL: <https://www.bezirk-oberpfalz.de/pressemeldungen/2022/neues-leben-fuer-das-holzer-haus> (aufgerufen am 19.03.2025)
GEMEINDE MINTRACHING u. a. (Hg.), Mintraching – 1250 Jahre „Wachsen, Blühen und Gedeihen“. Chronik und Festschrift zur 1250-jährigen Geschichte Mintrachings, Mintraching 2018, 51, 56
FEUERER Thomas, Das Holzer-Haus in Mintraching. Laudatio anlässlich der Verleihung des Denkmalschutzpreises des Landkreises Regensburg 2018 an Dr. Ernst Horsch am 22. November im Hotel Röhrl in Eilsbrunn (Regensburger Land, Bd. 5), Regensburg 2019, 138-141