Ehem. Hofgebäude

Triftlfing

  • Zeittafel

    Um 1705/06 Erbauung

    1709-1711 Erweiterungen und Umbauten

    Um 1814 Entkernung des westlichen Gebäudeteils nach Brand; Errichtung eines neuen Dachstuhls (dendro. dat.)

    Um 1910/11 Wiedererrichtung des Dachstuhls über dem Ost-, Mittel- und Nordteil nach Brand

    1923 Einstellung des Braubetriebs

    Nach 1990 Weitgehende Entkernung nach Verkauf an einen privaten Investor

  • Beschreibung

    Topografie

    Die mittelalterliche Niederungsburg und somit auch das daraus entstandene, um 1700 abgebrannte Schloss lagen etwas nordöstlich des heutigen Schlosshofes, wo sich in der Uraufnahme die einstigen Wassergräben erkennen lassen (alte Flur-Nr. 22). Der Wasserreichtum des nahe im Norden vorüberfließenden Gittinger Baches sind für die einstige Veste und das Dorf prägend. 

    Das Hofgebäude steht ihm Westen der Anlage, mit der Giebelseite direkt an der neuen Ortsstraße zwischen Langenerling und Aufhausen, die es diesem Verlauf in der Uraufnahme noch nicht gab. Das Gebäude liegt nur wenige Meter nördlich der einst zum Schloss gehörigen Kirche.

     

    Geschichte

    Ende des 10. Jahrhunderts wird der Ort „Trutliupinga“ erstmals erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen Personennamen „Truhtliob“ her. Die Errichtung einer Niederungsburg, die noch im 18. Jahrhundert von einem Weiher umgeben war, wird im 13. Jahrhundert vermutet. „Daz havs“ – damit ist das Schloss gemeint – befand sich 1287 und 1312 im Besitz der Regensburger Familie Woller, zu deren Zeit Triftlfing aus drei Höfen, einer Mühle und der der Burg bestand. 1368 ist hier ein Niedergericht belegt. Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts sind Wernt Auer von Triftlfing, der 1365 ein Benefizium in Geisling mit der Ursula-Kapelle errichtete, und sein Schwiegersohn Degenhart der Hofer Inhaber der Veste. Aus herzoglichem Besitz ging sie 1500 über die Stauffer von Ehrenfels als herzogliche Pfleger und 1548 an die Zenger, die das Schloss als „Steinhaufen“ bezeichneten, schließlich bis 1597 an die Freiherren von Fraunhofen. Von den Fraunhofern erwarb 1651 Freiherr Johann Georg I. von Königsfeld die umfangreiche Hofmark Triftlfing, zu der auch die Dörfer Langenerling und Hellkofen gehörten. Mit der Verlegung des Familiensitzes von Zaitzkofen nach Alteglofsheim 1658 wurde es Teil dieser Hofmark und blieb dies bis 1810. 

    Wann der von Michael Wening erwähnte Brand des Schlosses „vor Jahren“ genau stattfand, ist bislang nicht zu belegen. Der vermuteten Brandstiftung fielen neben dem Schloss „auch die gesambten Hof-Gebäu“ zum Opfer. Als Wenings Beschreibung 1726 im Druck erschien, war das „Hof-Gebäu (…) zwar widerumben mit füglicher Wohnung / und sondern schön gewölbten Ställen / und andern nöthigen Underkommen mehr von neuem auffgericht / und gebauet / das Schloß aber ist noch nicht erhoben.“ Dabei sollte es bleiben – der Wiederaufbau des Schlosses unterblieb, weil es für die wirtschaftlichen Zwecke des Reichsgrafen Johann Georg II. von Königsfeld nicht notwendig war. Stattdessen baute er Triftlfing zum zentralen Wirtschaftsstandort seiner gesamten Besitzungen und zu einer florierenden Braunbierbrauerei aus. Der Wiederaufbau des Hofgebäudes, das heute noch im Volksmund als „Schloss“ bezeichnet wird, erfolgte wohl zwischen 1705 und 1706 im Nachgang zum Umbau des königsfeldischen Schlosses in Schönach (1702-1708) und umfasste etwa zwei Drittel des heutigen Baus. Der Ostteil dürfte schon bald bei Erweiterungen und Umbauten zwischen 1709 und 1711 hinzugekommen sein.

    Nach dem Verkauf der Hofmark Alteglofsheim und ihrer Zugehörungen an Freiherrn Anton von Cetto 1810 muss es um 1813/14 einen Brand gegeben haben, sodass in der Folge wohl der ganze westliche Teil einschließlich des Dachstuhls erneuert wurden (dendro. dat. 1814). Es erfolgte der nördliche Anbau, die Errichtung einer Malzmühle, was tiefgreifende Umbauten im mittleren Hausteil mit sich brachte wie die Errichtung eines Kreuzgratgewölbes und weitere Innenumbauten. In diesem Zusammenhang wird auch die Entstehung der beiden Schweifgiebel vermutet. 

    1835 kam Triftlfing an das Haus Thurn und Taxis in Regensburg. Danach fanden zwei größere Umbauten statt. Um 1891 wurde die Luftdarre erweitert. Der Dachstuhl über dem mittleren, östlichen und nördlichen Teil musste nach einem Brand 1910/11 neu aufgestellt werden. Das Sudhaus lag im mittleren Gebäudeteil. Die Brauerei wurde 1923 aufgegeben. In diesem Zusammenhang fanden Rückbauten und Abbrüche statt.

    Das Gut Triftlfing wurde 1972 in die fürstliche Gutsverwaltung Hellkofen eingegliedert und 1989 an Privat verkauft. Im Jahr darauf gelangte es an einen Investor, der eine Neuentwicklung des Schlossareals plante, die jedoch steckenblieb. Das ehem. Hofgebäude befindet sich derzeit in einem bedenklichen Bauzustand.

     

    Beschreibung

    Der stattliche, zweigeschossige und langgestreckte Satteldachbau steht giebelseitig unmittelbar an der Ortsstraße. An der Nordseite ist ein kurzer Zwerchflügel mit Walmdach angebaut. Das Gebäude lässt sich in drei Raum-, Struktur- und Funktionsabschnitte einteilen. Hierbei ist die westliche Hälfte des Flügels zweigeschossig und mit zwei großen Räumen angelegt. Daraus entstanden ein Treppenhaus, drei Raumkompartimente und drei Geschosse, von denen zwei als vierjochige Gewölbe im Keller und Erdgeschoss anlegt sind. Es schließt sich der mittlere Bauteil an, zunächst als großer, über zwei Geschosse reichender, flachgedeckter Saal, der durch seine Umnutzung zum Sudhaus ein hohes Gewölbe erhielt. Der östliche Teil, der als zweiter Bauschnitt um 1709/11 angefügt wurde, enthält auf zwei Geschossen frühere Wohnräume des Gutsverwalters und des Braumeisters. 

    Diese nicht ganz einfache Gebäudestruktur spiegelt sich nach außen. Auf der Hofseite sind die drei Abschnitte an der Befensterung deutlich erkennbar. Im Dach zeigt sich etwa in der Mitte eine Brandmauer, die nach dem Feuer 1813/14 errichtet wurde und verhinderte, dass der Brand im östlichen Dach 1910/11 alles zerstörte. Das Obergeschoss zeigt sechs Fenster, doch sind auch zugesetzte Fenster und Öffnungen erkennbar, sodass es hier neun Achsen gab, gegen die die geringere Erdgeschoss-Befensterung verschoben ist. Der mittlere Gebäudeteil im Anschluss an die Brandmauer besitzt im Erdgeschoss zwei Eingangstüren und im Obergeschoss vier Stichbogenfenstern. Der Wohnteil im Osten zeigt mittig das etwas aufwändigere Hauptportal und eine Teilung in 1:2 Achsen. 

    Die nördliche Langseite wird durch nicht minder komplizierte Teilungen bestimmt, im Westteil mit sechs Toren, dem überzwerch stehenden Nordflügel und kleinteiliger Befensterung im Ostteil, aus der Funktionen kaum ablesbar sind.

    Repräsentativer stellt sich die Straßenfassade dar, die regelmäßig dreiachsig mit einem Schweifgiebel auftritt, dessen Entstehung im Zusammenhang mit der westlichen Dachstuhlerneuerung nach dem Brand 1814 gesehen wird. Dadurch wird sozusagen die fehlende Schlossfassade kompensiert, was wohl zur irrigen Annahme geführt hat, es würde sich um das Schloss handeln. Im Sinne der Gebäudesymmetrie steht eine solche dreiachsige Schweifgiebelfassade auch auf der Ostseite.

     

    Empfohlene Zitierweise:

    Ehem. Hofgebäude, publiziert am 04.03.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-46936-d-3-75-115-14> (Datum des Zugriffs)

  • Quellen

    Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Aufhausen

    Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv, Regensburg 

  • Literatur

    BOOS Andreas, Burgen im Süden der Oberpfalz. Die früh- und hochmittelalterlichen Befestigungen des Regensburger Umlandes, (Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Bd. 5), Regensburg 1998, 388-389

    BÖSL Hans-Josef, Streiflichter aus der Ortsgeschichte Triftlfing, in: Aufhausen Vergangenheit und Gegenwart. Heimatkundliches Geschichts- und Lesebuch, Regensburg 1997, 383-395

    HOMEIER Christian, Der Verfall des Gutshofs, in: FFW TRIFTLFING e.V. (Hg.), 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Triftlfing. Gründungsfest vom 18. Juni bis 20. Juni 2010, o.O. 2010, 131-133

    HOMEIER Christian, Die Ära "Thurn & Taxis" in Triftlfing, in: FFW TRIFTLFING e.V. (Hg.), 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Triftlfing. Gründungsfest vom 18. Juni bis 20. Juni 2010, o.O. 2010, 125-131

    PETER Wolf-Dieter, Johann Georg Joseph Graf von Königsfeld (1679-1750). Ein bayerischer Adeliger des Ancien régime (Regensburger Historische Forschungen, Bd. 7), Kallmünz 1977, 13, 60-61

    PRINZ Michael, Beiträge zu einem Historischen Siedlungsnamenbuch des Alt-Landkreises Regensburg. Magisterarbeit Univ. Regensburg 1997, 193-194

    SCHMID Diethard, Regensburg II. Das Landgericht Haidau-Pfatter und die pfalz-neuburgische Herrschaft Heilsberg – Wiesent (Historischer Altas von Bayern, Teil Altbayern, Reihe I, Heft 66), München 2014, 393, 396, 379

    SCHLOSSER Dominik und STEIERT Theresa, Das Schlossgut Triftlfing. Die bauliche und funktionale Entwicklung des ehemaligen Wohn- und Brauhauses, Masterarbeit OTH Regensburg, Regensburg 2024, 14-92