Um 1200 Vermutete Erbauung
1508 Ersterwähnung einer Kapelle St. Margareta in „Vtenkofen“
1526 Ersterwähnung des Friedhofs
1589/90 Erwähnung als kleine bzw. geringe Kapelle mit wenig Ausstattung, darunter ein Altar
Nach 1613 Neubau des Kirchenschiffs und des Fassadenturms, 1643 ist der Bau jedoch noch nicht abgeschlossen
Nach 1650 Aufstellung des Altars
Um 1700 Entstehung der Stuhlwangen
1906 Renovierung
1982-1984 Außen- und Innenrenovierung
Topografie
Die Irnkofener Nebenkirche St. Margareta steht im Zentrum des Altorts an der ost-west-gerichteten Dorfachse, wie ehedem umschlossen von einem engen Mauerbering. Wo sich der Mittelpunkt der Hofmark Irnkofen befand, ist auch auf der Uraufnahme kaum festzustellen; hier ist das Anwesen alte Haus-Nr. 9 das größte, doch die Felder um das Dorf gehörten etwa zu gleichen Teilen zu den Anwesen alte Haus-Nr. 4, 6 und 9.
Geschichte
Nachrichten über die Geschichte der kleinen Kirche, die immer wieder als Kapelle bezeichnet wurde, sind spärlich. Da auch zur Geschichte des Dorfes Irnkofen frühe Zeugnisse fehlen, lässt sich ihre Entstehung nicht genauer als in der Romanik vermuten, vielleicht um 1200. Auf dem stets einzigen Altar der Margareten-Kapelle gab es ein zu unbekannter Zeit gestiftetes Benefizium, das erstmals 1508 mit der Nennung eines Kaplans Leonhard Fabri belegt ist. Die Kapläne, wie sein Nachfolger Nikolaus Kaydel, wohnten auch am Ort in einem „gut gebauten Haus“, wie es 1526 heißt. 1589/90 wird die „geringe“ Kapelle („capella exigua“) in „Yttenkofen“ unter der weltlichen Herrschaft des Heinrich Lerchenfelder von Welchenburg beschrieben. Sie besitzt nur wenig Ausstattung mit einem Altar. Das Benefizium genießt der Pfarrer von Aufhausen und der Kaplan wohnt in einem inzwischen nur noch „mittelmäßig gut gebauten“ Haus.
Anfang des 16. Jahrhunderts ist die Hofmark Irnkofen belegt, die eine nahezu identische Geschichte und ihre Geschicke mit der Hofmark Gailsbach teilte. Die weltliche Herrschaft kam 1659 als Erbschaft an Kloster Oberalteich.
Um 1613 ist von Baufälligkeit der Kirche die Rede und von einem Neubau des Turms. Da die Bauarbeiten 1643 noch nicht vollendet waren, fallen der Neubau von Kirchenschiff und Turm in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit den entsprechenden Verzögerungen. Die aus dem Krieg resultierenden finanziellen und sonstigen Schwierigkeiten dürften für die lange Bauzeit verantwortlich sein. Nach der Mitte des Jahrhunderts erhielt die Kapelle einen neuen Altar, um 1700 ein Gestühl. Erst 1906 ist eine Renovierung belegt, eine Außen- und Innenrenovierung erfolgte 1982 bis 1984.
Beschreibung
Das Äußere. Eine in der Substanz wohl mittelalterliche Mauer umschließt die Kirche eng, deren Friedhof erstmals 1526 bezeugt ist. Der Neubau des Kirchenschiffs in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm zweifelsohne die Dimensionen des Vorgängerbaus auf und bediente sich möglicherweise seiner Fundamente. Wo der Turm der romanischen Kapelle stand, lässt sich nicht sagen. Das kompakte Kirchenschiff trägt ein Steildach und besitzt nur eine Achse mit zugesetzten Rundbogenfenstern. Die Westseite prägt der leicht vorspringende Turm mit dem Eingang, fensterlos, nur mit spitzwinkligen Schallöffnungen zuoberst und einer über einem zurückspringenden Achteck ruhenden Zwiebelhaube. Es ist anzunehmen, dass dieser Abschluss später aufgesetzt wurde. Die halbrunde und leicht eingezogene Apsis zeigt zwei seitliche Rundbogenfenster und ein mittleres Stichbogenfenster der Zeit um 1613. Das halbe Kegeldach lehnt sich an das etwas höhere Kirchenschiff. An der Südseite des Chors steht die Sakristei.
Das Innere. Chor und Langhaus tragen Flachdecken mit leicht abgesetzter Hohlkehle. Eine Wandgliederung fehlt.
Die Ausstattung. Die Kapelle besaß stets nur einen Margaretenaltar, der nie seinen Titel änderte und auf dem es vom 16. bis ins 19. Jahrhundert ein Benefizium gab. Der Altaraufsatz kam im Zuge des Kirchenneubaus um die Mitte des 17. Jahrhunderts oder kurz danach in die Kapelle, Das komposite Zweisäulenretabel ist streng orthogonal aufgebaut. Auch das verkröpfte Gebälk ist in diese Rechteckigkeit einbezogen. Das Zentrum bildet ein breites, rundbogiges Altarbild mit der hl. Margareta, das wohl auf die Renovierung von 1906 zurückgeht. Zurückhaltend sind die vergoldeten Knorpelwerkschnitzereien. Der Auszug wiederholt das Retabel in verkleinertem Maßstab, mit dem Unterschied einer Figurennische für den Feuerpatron Florian.
Auf lang auslaufenden Konsolen stehen seitlich des Retabels und beiderseits des Auszugs die Figuren des Evangelisten Johannes, des hl. Wolfgang, und der beiden Pestpatrone Sebastian und Rochus.
In den zugesetzten Fensternischen des Langhauses gibt es zwei Figuren unbekannter Zeitstellung der Maria Immaculata bzw. der Maria als Himmelskönigin, eine Kopie des Gnadenbildes in Aufhausen, und des Bauernpatrons Leonhard, der sich seine Gefangenenkette auf die Schulter gelegt hat. Sie könnten beide noch in das späte 17. Jahrhundert gehören.
Empfohlene Zitierweise:
Kath. Nebenkirche St. Margareta, publiziert am 14.02.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-46931-d-3-75-115-9> (Datum des Zugriffs)
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