1292 Setzung des Grabsteins in Regensburg
1519 oder 1750 Verschleppung nach Wolkering
Hinweis: Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine noch nicht lektorierte erste Arbeitsfassung. Für inhaltliche Ergänzungen und Richtigstellungen sind wir sehr dankbar (→ MITMACHEN).
Topografie
Der Grabstein ist in die nördliche Friedhofsmauer direkt vor dem Eingangstor mit der Vorderseite nach außen eingemauert.
Geschichte und Beschreibung
Gesetzt wurde der Grabstein für die bei einem Hochwasser am 22. Aw 5052 (Mittwoch, 13. August 1292, nach anderer Lesart 6. August) ertrunkene Barsilai (Lesung nicht ganz sicher). Die hochrechteckige Kalksteinplatte von 120 Zentimetern Höhe und 45 Zentimetern Breite mit dachförmiger Oberseite zeigt am Rahmen Spuren der Steinbearbeitung mit dem Flacheisen. Im unteren Drittel weist er eine größere Fehlstelle auf, möglicherweise ein Einschussloch. Im eingetieften rundbogigen Feld steht die elfzeilige hebräische Inschrift, die die Umstände ihres Todes schildert. Die Übersetzung des Textes lautet: „Das ist der Stein, den ich gesetzt habe zu Häupten der Frau Barsilai, der Tochter des Rabbi Nathaniel, der Ehefrau des Rabbi Bunim, welche die mächtigen Wasser weggeschwemmt haben, als sie badete in der Nacht zum vierten Tage am 22. Aw im Jahre 5052. Ihr Tod möge eine Sühne für ihre Seele sein, und sie werde selig – Amen.“
Der Grabstein gehört zu den Grabsteinen, die nach dem Regensburger Pogrom 21. Februar 1519 bei der Plünderung des Friedhofs in den heutigen Landkreis nach Mangolding, Mintraching, Regendorf, Tegernheim und hierher verschleppt wurden. Es ist nicht bekannt, ob er sich schon seit 1519 in der Friedhofsmauer befindet oder erst später hierher versetzt wurde, möglicherweise 1750 beim Neubau des Langhauses.
Empfohlene Zitierweise:
Jüdischer Grabstein, publiziert am 20.05.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-138861-d-3-75-205-19> (Datum des Zugriffs)
Landratsamt Regensburg, Denkmalregistratur, Thalmassing
DEHIO Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V; Regensburg und Oberpfalz, bearb. von Jolanda Drexler, Achim Hubel, Astrid Debold-Kritter, u. a., aktualisiert von Peter Morsbach und Achim Hubel, München/Berlin 22008, 886-887
DIE KUNSTDENKMÄLER VON OBERPFALZ UND REGENSBURG, Bd. 21: Bezirksamt Regensburg, bearb. von Felix Mader, München 1910, 203-204
GEMEINDE THALMASSING (Hg.), Jubiläumsschrift 1200 Jahre Wolkering, 2022, o. S. (16-17)
N. N., Am Wegesrand notiert, in: Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz 2 (1979), 61
N. N., Regensburg. Die jüdischen Friedhöfe, o. J., in: Alemannia Judaica, URL: <https://www.alemannia-judaica.de/regensburg_friedhof.htm> (aufgerufen am 14.09.2024)