1909 Aufstellung
1995 Renovierung mit teilweiser Erneuerung des Sockels
Topografie
Das Friedhofkreuz steht in der Mittelachse des südlichen Friedhofteils nahe der katholischen Pfarrkirche St. Georg in Obertraubling.
Geschichte
Das monumentale Friedhofskreuz wurde zur Weihe des Friedhofs 1909 aufgestellt. Es gehört zu einer Gruppe ähnlicher Denkmäler, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den Jahren um 1900 auf zahlreichen Friedhöfen entstanden, davon zeugen beispielhaft die vielen Exemplare im Landkreis und der Stadt Regensburg. Gemeinsam ist ihnen, dass die Kruzifixe aus Gusseisen bestehen, wobei die in der Regel aus Stein oder Kunststein gefertigten Sockel hierbei variieren können. Gegossen wurden solche Kreuze bis zu einer Höhe von fast sieben Metern im königlichen Berg- u. Hüttenamt in Bodenwöhr. Aus dieser Gießerei dürfte auch dieses Kreuz stammen, denn die Figur des Gekreuzigten wurde im Bodenwöhrer Warenkatalog „Cultusgegenstände“ als „Christuskörper nach Schwanthaler, Höhe Meter 1,76“ für 372 Mark angeboten. Schöpfer des Granitsockels war Josef Brandl, der in Regensburg ein Steinmetzgeschäft und eine Kunststeinfabrik betrieb. 1923 wurde er der erste Hüttenmeister der neugegründeten Staatlichen Dombauhütte in Regensburg. Bei einer Renovierung des Kreuzes 1995 wurde der Sockel teilweise erneuert.
Beschreibung
Der dreiteilige Sockel baut sich aus dem Stufenunterbau, einem erneuerten konischen und glatten Sockel mit geschrägter Oberseite und einem schmal-rechteckigen, barockisierenden Kreuzsockel auf. Dieser obere, von Josef Brandl signierte Sockel zeigt über einer Stufe zwei gedrückte Voluten mit gestufter, flacher Verdachung und einem eingetieften Feld mit der Inschrift „Es ist vollbracht. Joh XIX,30“.
Das Gusseisenkreuz zeigt eine herzförmig durchbrochene Binnenstruktur mit geschweiften Enden. Auf einem Suppedaneum steht vor einem Strahlenkranz die vergoldete Figur des Gekreuzigten im Viernageltypus mit parallelen Füßen und einem idealisierten Körper. Der Blick des zur Seite geneigten Hauptes ist nach oben gerichtet und ein unmittelbarer Ausdruck von Qual und Pein vermieden.
Empfohlene Zitierweise:
Friedhofskreuz, St.-Georg-Straße 1, Obertraubling, publiziert am 03.04.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-138727-d-3-75-179-1> (Datum des Zugriffs)
N. N., Adressbuch der kgl. bayerischen Kreishauptstadt Regensburg sowie der Nachbarstadt Stadtamhof und des Marktes Steinweg 1908, Geschäftsinserat 104 (Josef Brandl)
MATRIKEL DER DIÖZESE REGENSBURG, hg. v. Bischöflichen Ordinariat Regensburg, Regensburg 1916, 443
MORSBACH Peter, „Diesen Geist der mittelalterlichen Baukunst wach zu halten.“ 100 Jahre Staatliche Dombauhütte Regensburg, Regensburg 2023, 121-123
MORSBACH Peter, 550 Jahre Hüttenwerk Bodenwöhr. Eine wichtige Produktionsstätte der Oberpfälzer Gusseisenkreuze, in: Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz 37 (2014), 7-33
N. N., Katholische Pfarrgemeinde Obertraubling, Pfarrkirche St. Georg, Obertraubling, in: Pfarrei Obertraubling <https://www.pfarrei-obertraubling.de/ki/kiot.html> (aufgerufen am 12.06.2024)