1652 Entstehung des Bildstocks
Topografie
Der Kopf eines Bildstocks steht in der östlichen Gartenmauer des Anwesens Regensburger Straße 20.
Geschichte
Der Bildstock entstand nach der Inschrift aus der Vorderseite 1652 als Stiftung eines Jeremias Höcht und seiner Ehefrau Walburga. Wann er an seinen heutigen Standort versetzt wurde, ist nicht bekannt. Die beiden Darstellungen – die Kreuzigung auf der Vorderseite und die Grablegung auf der Rückseite – bilden zwei Stationen des Kreuzwegs. Einen Kreuzweg gab es zwischen Moosham und Alteglofsheim, dessen Name sich erhalten hat, doch ob hier ein Zusammenhang besteht, bleibt Spekulation. Zwei Kreuzwegstationen auf einem Bildstock wären höchst ungewöhnlich und aufgrund der Inschriften stellt sich ohnehin die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Bildstock handelt. Wann er an seine heutige Stelle kam – die Uraufnahme verzeichnet hier ein nicht mehr bestehendes Wohnstallhaus – ist ebenso ungewiss wie seine frühere Form.
Beschreibung
Der Bildstock aus Sandstein steht in der Gartenmauer mit der Vorderseite zur Straße und der Rückseite zu einem Privatgrundstück. Den Sockel bilden fünf Quaderreihen mit breiten Zementfugen, die sich nach oben verjüngen. Ob es sich hierbei um ein späteres Konstrukt handelt, ist schwer zu erkennen. Der oberste Stein zeigt Spuren einer Stockhammerbearbeitung.
Die Vorderseite zur Straße trägt ein Flachrelief mit dem Gekreuzigten, neben dem Maria im Schmerz die Hände ringt und Johannes mit der rechten Hand auf den Kruzifixus weist. Die beiden Figuren besitzen einen puppenhaften Charakter, der durch die großen, rundlichen Köpfe auf fast schmächtigen Körpern erzeugt ist. Die Faltengebung der Gewänder zeigt sowohl weiche Rundungen als auch Knickfalten. Der Gekreuzigte hält die Hände im Segensgestus, der Körper schlank, gelängt und wenig muskulös, die Arme lang, die Hände groß. Den Hintergrund des Kreuzbalkens bilden scheibenförmige Wirbelwolken. Ein doppelt faszierter, leicht korbbogiger Rahmen trägt die Stifterinschrift und einen Gebetstext. Die Stifterinschrift am Rand beginnt links oben und läuft gegen den Uhrzeigersinn. Durch eine Zementeinputzung ist sie nicht mehr vollständig lesbar: „(16)52 hat der Erbar Jeremias Hö(cht und) / Walpurg Höchtlin seine Erbar Hausfr[au] / […]“. Auf dem inneren Rahmen steht, wenngleich teilweise überputzt, das bekannte Gebet: „Herr Jesu dir Leb ich Herr [Jesu dir sterb ich, Herr Jesu] dein bin ich Todt und lebendig“, das als Gebet zur Sterbevorbereitung galt, wie es sich auch bisweilen auf Grabsteinen findet. Im 19. Jahrhundert wurde es zu einem Kirchenlied.
Ist die Relieftafel tatsächlich ein Bildstockkopf? Die Frage scheint insofern berechtigt, da die Rückseite mit der Kreuzabnahme und Grablegung stilistisch nicht zur Vorderseite passt. Es handelt sich um ein figurenreiches Bild, in dessen Zentrum der Leichnam Jesu, vom Kreuz im Hintergrund abgenommen, zu seiner Grabstätte getragen wird, begleitet von den drei trauernden Marien, in der Mitte die Mutter, die die Hände vor der Brust kreuzt. Die Begleiterinnen Maria Salome und Maria Magdalena zeigen Trauergesten, die eine mit der Hand an der Wange, die andere die Hände ringend und die Augen verbergend. Links steht ein Fahnenträger. Zwei Männer tragen den Leichnam unter den Knien und unter den Armen, ein dritter legt den rechten Arm des Toten um seinen Nacken. Am oberen Rand sind Zweige und Blätter zu erkennen.
Aufgrund der starken Abwitterung der Oberflächen und der augenscheinlichen stilistischen Unterschiede zwischen Vorder- und Rückseite ist nicht ganz klar, ob die beiden Bilder tatsächlich zusammenhängen und aus der gleichen Zeit stammen. Doppelseitige Bildtafeln in Zweitverwendung gibt es zwar selten, aber sie lassen sich belegen, wie ein Beispiel in Kallmünz zeigt.
Empfohlene Zitierweise:
Bildstockkopf, Nähe Regensburger Str., Moosham, publiziert am 09.01.2025, in: Monumenta – Denkmaldigital, URL: <https://www.monumenta.de/liste/detail/m/baudenkmaeler-129254-d-3-75-170-37> (Datum des Zugriffs)
N. N., Jesus, dir leb ich, in: wikipedia, URL: <https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus,_dir_leb_ich> (aufgerufen am 20.03.2025)