Regensburg (RL). Nach dem Tod von Prof. Peter Morsbach musste das innovative Denkmal-Projekt vorübergehend auf Eis gelegt werden. Konzeptionell und personell neu aufgestellt geht es nun mit Dr. Christine Riedl-Valder und Viktoria Taboga-Strauß weiter, die ab sofort die Inhalte zu den Denkmälern in Landkreis und Stadt Regensburg erarbeiten.
Nach der gelungenen Freischaltung der MONUMENTA-Web-App im Januar dieses Jahres war die Nachricht vom tragischen Unfalltod von Prof. Peter Morsbach am 22. April vor allem ein persönlicher Schock für alle, die mit ihm zusammenarbeiteten. Aber auch für das MONUMENTA-Projekt, für das er recherchierte und Texte zu Baudenkmälern schrieb, bedeutete sie einen großen Einschnitt. Die Regierung der Oberpfalz genehmigte vom 1. Juni bis 31. Oktober ein Moratorium, um eine Lösung zu entwickeln, wie das Projekt weitergeführt werden kann. Mit dem Ende dieser Pause übernahm Anfang November Dr. Christine Riedl-Valder die inhaltliche Bearbeitung von Denkmälern im Landkreis Regensburg. Viktoria Taboga-Strauß arbeitet parallel dazu an Texten zu Objekten in der Stadt Regensburg.
"Ich bin sehr dankbar, dass ich mich in den nächsten eineinhalb Jahren intensiv mit den Baudenkmälern des Landkreises Regensburg beschäftigen darf. Bei dieser Arbeit warten bestimmt viele neue Erkenntnisse und ungeahnte Entdeckungen auf mich“, sagt Dr. Christine Riedl-Valder, die seit 1993 in Beratzhausen lebt. „Gerade die unbekannteren, meist übersehenen Baudenkmäler können ja oft viel über die Welt und die Lebensumstände unserer Vorfahren erzählen. Deshalb bin ich voller Tatendrang, ihnen all ihre Geheimnisse zu entlocken.“ Valder hat Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Romanistik in Wien und Regensburg studiert. Seit den 1980er-Jahren arbeitet sie als Kulturjournalistin, Übersetzerin und Lektorin. In ihrer freiberuflichen Tätigkeit war und ist sie außerdem an Ausstellungen und Projekten der Erwachsenenbildung beteiligt. Ihre Dissertation schrieb sie über den Rokokomaler Johann Adam Schöpf. Seit 2004 ist sie selbständig tätig mit ihrer Kulturredaktion „KunstLiteraTour“, wo sie sich in journalistischen und wissenschaftlichen Beiträgen unter anderem mit Denkmälern aus der Region auseinandersetzt. Sie ist außerdem Ortsheimatpflegerin von Beratzhausen und organisiert seit 2006 die „Literaturtage im Oberpfälzer Jura“ mit dem angeschlossenen Literaturpreis.
Viktoria Taboga-Strauß hat Kunstgeschichte und Geschichte (Bachelor) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg studiert sowie Kunstgeschichte (Master) an der Universität Regensburg. Zuletzt arbeitete sie im Stadtarchiv Nürnberg sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg im Bereich Architektur und Architekturtheorie. Ihr Promotionsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Der Titel ihrer Dissertation lautet „Schloss Taxis. Zur Umgestaltung des ehemaligen Schloss Trugenhofen durch Ludwig Foltz 1858–1867“. Über ihre Projektmitarbeit sagt sie: „Bereits seit längerem bin ich um das MONUMENTA-Projekt beruflich und persönlich gekreist – meinem jetzigen Mitwirken blicke ich anhand meines Vorgängers ein wenig ehrfurchtsvoll entgegen.“ Angesichts der Zahl von 1.350 Baudenkmälern in der Stadt Regensburg, die sie bis zum Projektende erarbeiten muss, sagt sie: „Die eigene Neugier muss da ein wenig zurückgestellt werden – sonst droht man sich in der reichen Geschichte Regensburgs zu verlieren.“ Für sie ist die Denkmal-Web-App ein Weg, den Stadtraum völlig neu kennenzulernen: „Man wandelt sozusagen in einem für jedermann stets offenen Museum und kann Geschichte anhand von Architektur und Kunst unmittelbar erfahren. Ein solches Projekt würde ich mir auch für andere Städte wünschen.“
Das MONUMENTA-Projekt wird im Rahmen der Heimat-Digital-Regional-Förderrichtlinie gefördert und ist auf drei Jahre ausgelegt. Projektträger ist der Landkreis Regensburg. Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer und Nadine Merk als wissenschaftlfederiche Koordinatorin setzten das Projekt federführend um. Die MONUMENTA-Web-App als anschauliche, fundierte und frei zugängliche digitale Denkmalplattform leistet einen zeitgemäßen Beitrag zur Wissensvermittlung und zum Schutz des baukulturellen Erbes – im Sinne des Verhaltensforschers Konrad Lorenz, der sagte: „Man liebt nur, was man kennt und man schützt nur, was man liebt.“ Der derzeitige Projektplan sieht vor, dass Mitte 2026 die Inhalte des östlichen Landkreises veröffentlicht werden sowie Ende 2026 die der Altstadt Regensburg. Zum Ende des Projektzeitraumes, der nach dem Moratorium nun im Mai 2027 liegt, folgen schließlich der westliche Landkreis und die restlichen Stadtteile.
